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| 09:15 Uhr

Projekt in Sachsen
Falter-Sterben: „Tage der offenen Schmetterlingswiese“ sollen aufmerksam machen

 Ein Schmetterling, ein Tagpfauenauge sitzt im Barockgarten Großsedlitz auf einer Blume. In Sachsen sterben immer mehr Falterarten aus oder sind gefährdet. Die „Tage der offenen Schmetterlingswiese“ sollen für das Thema sensibilisieren.
Ein Schmetterling, ein Tagpfauenauge sitzt im Barockgarten Großsedlitz auf einer Blume. In Sachsen sterben immer mehr Falterarten aus oder sind gefährdet. Die „Tage der offenen Schmetterlingswiese“ sollen für das Thema sensibilisieren. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Chemnitz. „Puppenstuben gesucht“: Was niedlich klingt, hat einen ernsten Hintergrund. In Sachsen sterben immer mehr Falterarten aus oder sind gefährdet. Die „Tage der offenen Schmetterlingswiese“ sollen für das Thema sensibilisieren.

Der Dukatenfalter ist weg, den Gelbwürfeligen Dickkopffalter sucht man in Chemnitz ebenfalls vergeblich - die beiden Arten stehen stellvertretend für das langsame Schmetterlingssterben in Sachsen. Laut Sächsischer Landesstiftung für Natur und Umwelt sind von 125 heimischen Tagfalterarten 14 Prozent im Freistaat ausgestorben. Zudem seien noch einmal eben so viele vom Aussterben bedroht, und bei ehemals häufig vorkommenden Arten gebe es weniger Exemplare.

„Die Individualdichte nimmt deutlich ab“, sagt Marco Eigner, Leiter der Fachgruppe der Entomologen in Chemnitz. Seit 1983 befasst sich der 47-Jährige mit der Schmetterlingsbeobachtung und -erfassung. Dabei kann er auf eine ausführliche Zusammenstellung in Chemnitz seit 1860 zurückgreifen. Sein Ergebnis: Während es damals im Stadtgebiet 56 Arten gab, sind es heute noch 48.

Die Abnahme klingt zunächst nicht erheblich, doch Eigner relativiert. Es seien viel mehr Arten verschwunden, aber es seien auch neue hinzugekommen. Schmetterlinge aus dem Süden sind mit der Wärme nach Norden gezogen. So ist beispielsweise der aus Südeuropa stammende Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades) neu in der Region. „Den gab es hier vor zehn Jahren noch nicht“, sagt Eigner.

Sachsen versucht, dem Schmetterlingssterben mit der vor vier Jahren ins Leben gerufenen Mitmachaktion «Puppenstuben gesucht - Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge» entgegen zu wirken. Vom (heutigen) Freitag an bis zum Sonntag stellen Teilnehmer der Initiative bei den „Tagen der offenen Schmetterlingswiese“ ihre Habitate vor.

Insgesamt gibt es laut Sächsischer Landesstiftung für Natur und Umwelt inzwischen 210 Wiesenflächen im Land, die artgerecht bewirtschaftet werden. Dabei geht es darum, nur Teilabschnitte zu mähen, weil an den Halmen und Blättern der Pflanzen Eier, Raupen und Puppen der Falter sitzen. „Durch das Mahdsystem werden die Schmetterlinge gefördert. Eine Komplettmahd ist tödlich für Schmetterlinge“, sagt Eigner.

Die Mitmachaktion hält er deswegen für sinnvoll. Allerdings sei das nicht ausreichend, weil dies zu kleinflächig sei. „Die Lösung des Problems ist es nicht.“ Der Schmetterlings-Experte plädiert für ein Umdenken in der Landwirtschaft. Aufgrund von Förderrichtlinien werde inzwischen bis an Wege heran geackert, so dass keine Wiesenränder zum Beispiel mit Kornblumen mehr blieben. Überdies fordert er, keine Insekten- und Unkrautgifte mehr zu spritzen, um die Schmetterlinge zu schützen.