| 02:39 Uhr

"Fahrspaß pur" mit dem Elektroauto

Anzahl der Säulen und Ladedauer sind ein Problem. Hier wird ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe an einer Ladesäule in Cottbus aufgeladen.
Anzahl der Säulen und Ladedauer sind ein Problem. Hier wird ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe an einer Ladesäule in Cottbus aufgeladen. FOTO: dpa
Leipzig. Es gibt in Ostdeutschland schon einige Beispiele für den gelungenen Einsatz von Elektrofahrzeugen. Doch das sind nur erste Schritte auf einem Weg, der noch lang sein dürfte. Jörg Aberger

Der Leipziger Handwerksmeister Matthias Bruder ist begeistert. "Fahrspaß pur" bescheinigt er seinem E-Transporter, den er erst im März für seinen Heizungsbaubetrieb angeschafft hat. "Mit der Werkstattausrüstung und dem Dachgepäckträger komme ich zwar nur 115 bis 120 Kilometer weit. Das reicht in der Regel aber auch für die Montagetouren aus." Zudem habe sein Monteur herausgefunden, dass die Kunden gern bereit seien, "ihrem Handwerker" das Laden am eigenen Stromnetz zu erlauben.

Leute wie Bruder gehören nach Auffassung von Stefan Trommer denn auch zur idealen Zielgruppe für E-Mobilität. "Handwerker oder auch Pflegedienste haben in der Regel fest geplante Einsatztouren", sagt der Experte vom Berliner Institut für Verkehrsforschung. Selbst wenn es über Land ginge, seien täglich meist nicht mehr als 200 Kilometer zu bewältigen. "Das schaffen inzwischen schon viele der reinen Elektroautos."

Damit sich möglichst viele gewerbliche Nutzer von den Vorteilen der E-Mobile überzeugen können, hat in Sachsen zum Beispiel die Stadt Leipzig ein Förderkonzept umgesetzt. Demzufolge können Unternehmen bis zu 10 150 Euro erhalten, wenn sie Elektrofahrzeuge im Alltag testen. Davon hätten im vergangenen Jahr bereits 20 Firmen Gebrauch gemacht, teilte die Stadtverwaltung mit.

Diese berichteten den Angaben zufolge von durchweg positiven Erfahrungen im Praxisbetrieb. Ein Knackpunkt bei der Umsetzung ehrgeiziger Ziele in Sachen E-Mobilität ist die Lade-Infrastruktur. Nach einer Studie des Wirtschaftsministeriums in Dresden sind sachsenweit 1000 Ladepunkte im öffentlichen Raum nötig, um eine erste flächendeckende Versorgung zu bieten und damit einen Impuls für die Entscheidung zum Kauf von E-Autos zu schaffen. Derzeit gibt es aber erst 200 Ladepunkte im Freistaat.

Laut dem Internetportal "e-tankstellen-finder" sind es in Brandenburg 74 und in Sachsen-Anhalt 46. Für Thüringen weist es 45 aus - dort sollen bis 2020 insgesamt 370 neue Ladestationen entstehen, wie Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) ankündigte. Viele Stationen werden von Energieversorgern wie enviaM betrieben. Das Unternehmen kündigte Ende vergangenen Jahres an, zehn Schnellladestationen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg neu installieren zu wollen. "Diese sollen in der Nähe von Autobahnen entstehen, aber auch für Nutzer anfahrbar sein, die nicht zu einer Autobahnraststätte fahren wollen", erklärte Unternehmenssprecherin Claudia Anke.

Zudem wolle das Unternehmen an seinen Standorten in den vier Bundesländern seine Ladestationen ausbauen und auch dort zum Teil Schnelllader einrichten. Diese sind vor allem notwendig, wenn privaten Nutzern die E-Autos schmackhaft gemacht werden sollen. "Die wollen natürlich verlässlich wissen, dass sie auch Reisen über längere Strecken problemlos antreten können", so Verkehrsforscher Trommer.

Dabei sind einer Studie seines Instituts zufolge gerade Menschen außerhalb von größeren Städten als potenzielle E-Fahrer geradezu prädestiniert. "Sie brauchen nicht unbedingt eine öffentliche Lade-Infrastruktur, weil sie ihre Fahrzeuge im Alltagsbetrieb - wenn nur Fahrten zur und von der Arbeit angetreten werden - über Nacht am Eigenheim an den Strom anschließen können."

Dass es in Ostdeutschland noch viel Nachholbedarf in Sachen E-Mobilität gibt, zeigt ein Blick in die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes. Danach waren zum 1. Januar 2017 in Sachsen gerade einmal 984 Fahrzeuge mit Elektro- und gut 8300 mit Hybridtechnologie zugelassen. In Sachsen-Anhalt waren es 310 Elektrische und 3739 Hybride, in Thüringen 415 beziehungsweise 3307. Brandenburg meldete 568 Elektroautos und 5760 Plug-In-Hybridautos.

Mit Blick auf die Hybriden warnt Trommer: "Viele davon sind wegen der Fördermöglichkeiten als Ersatz für Verbrenner angeschafft worden, werden aber in erster Linie als Verbrenner gefahren." Gerade private Nutzer müssten für ihre Kurzstrecken jedoch den Elektroantrieb verwenden, um etwas für den Umweltschutz zu tun.

Zum Thema:
Im einem Pilotprojekt stehen der sächsischen Polizei seit Juni 2016 insgesamt 44 Elek trofahrzeuge im täglichen Dienstbetrieb zur Verfügung. Dresden hat vor, den kommunalen Fuhrpark in den nächsten Jahren komplett auf elektrische Fahrzeuge umrüsten. Die 30 öffentlichen Ladesäulen für E-Autos sollen bis 2025 auf bis zu 250 ausgebaut werden. Die Stadtverwaltung Zwickau verfügt über elf Elektrofahrzeuge. Leipzig liegt mit 90 E-Fahrzeugen in Verwaltung und kommunalen Unternehmen und etwa 200 Ladepunkten deutschlandweit vorne. Im August 2016 begann an der TU Chemnitz ein Feldversuch im Projekt "Eco-Mobility - Connected E-Mobility". Dafür konnten sich Mitarbeiter sowie studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte der Technischen Universität Chemnitz bewerben.