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| 01:14 Uhr

Fahrradklau ebbt nicht ab

Sommerzeit ist Fahrradzeit. Doch auch Langfinger haben in den sonnigen Monaten Hochkonjunktur. Und so währt die Freude am neuen Drahtesel bei mangelnder Vorsicht oft nur kurz. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in Sachsen 20 378 Fahrraddiebstähle registriert. Das entspricht 465 gestohlenen Rädern pro 100 000 Einwohner. Die Dunkelziffer dürfte noch um einiges höher sein, weil längst nicht jeder Diebstahl gemeldet wird. Von ralf beunink

Hochburgen beim Räderklau waren Dresden, Leipzig, Bautzen und Riesa. Insgesamt entstanden Schäden in Höhe von acht Millionen Euro. Die Aufklärungsquote der Diebstähle lag im vergangenen Jahr im Freistaat bei
11,2 Prozent.
Das ist dem Allgemeinen Deutsche Fahrradclub (ADFC) zu wenig. "Viele Leute schreckt das Risiko einfach noch vom Fahrradfahren ab", sagte der Leipziger ADFC-Vorsitzende Ulrich Patzer. Zudem werde der Fahrraddiebstahl nicht selten von organisierten Banden durchgeführt, die gezielt nach hochwertigen Mountain- oder Trekkingbikes Ausschau hielten. In diesem Fall helfen selbst die besten Schlösser nichts, von denen dennoch zwei verschiedene stets das Rad sichern sollten, angeschlossen an einem festen Gegenstand wie Fahrradständer, Lichtmast, Straßenschild oder Zaunpfosten.
Seit einigen Jahren soll eine Fahrrad-Codierung, die von der Polizei und vielen Fahrradhändlern angeboten wird, die Räder vor Langfingern schützen. Dabei wird in den Rahmen ein Code eingraviert. Diese Kennung setzt sich zumeist aus örtlichem Autokennzeichen, dem beim Einwohnermeldeamt vorliegenden Straßenschlüssel, der Hausnummer und den Initialen des Besitzers zusammen. Mit Hilfe des eingravierten Codes können Polizisten bei Kontrollen feststellen, ob der Nutzer des Rades auch der rechtmäßige Eigentümer ist.
Kritisiert wird diese Praxis vom ADFC. Zwar lasse sich der rechtmäßige Besitzer über die im Rahmen eingravierte Codierung problemlos ermitteln, allerdings würden die Gravuren bei Fahrradkontrollen durch die Polizei nur selten überprüft. "Bislang dienen die Codierungen lediglich dem Fundbüro zur Ermittlung der Besitzer von herrenlosen Fahrrädern, nicht aber dem Aufspüren von gestohlenen Drahteseln", beklagt der Leipziger Vorsitzende Patzer.
Diesen Vorwurf weist die Kriminalpolizei zurück. "Bei Fahrradkontrollen wird von der sächsischen Polizei eine vorhandene Codierung immer mitkontrolliert", sagte LKA-Sprecher Lothar Hofner. Allerdings würden Fahrradfahrer nicht willkürlich kontrolliert, erst müsse es ein Verdachtsmoment geben. Hofner bemängelte vielmehr, dass die Möglichkeit der Fahrrad-Codierung noch zuwenig von der Bevölkerung angenommen werde.
Die Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt, Fahrräder über die Hausratversicherung mitzuversichern. Damit ist zumindest der Diebstahl aus dem Hauskeller, aber auch vor der Gaststätte oder dem Supermarkt abgesichert. Das Rad muss nach Lesart der Versicherer in Gebrauch sein, um Versicherungsschutz zu genießen. Die Versicherung zahlt hingegen nicht, wenn das Rad in der Nacht am Haus oder auf der Straße gestohlen wird, da es dann nicht mehr im Gebrauch war.