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| 02:44 Uhr

Erste sorbische Kita in Dresden kommt gut an

In der Dresdner Kita in der Geisingstraße können Kinder spielerisch Sorbisch lernen: Erzieherin Sara Roetschke liest Jakob, Henrik und Lubina (v. l.) die Geschichte vom Elefanten und den Pilzen auf Sorbisch und auf Deutsch vor.
In der Dresdner Kita in der Geisingstraße können Kinder spielerisch Sorbisch lernen: Erzieherin Sara Roetschke liest Jakob, Henrik und Lubina (v. l.) die Geschichte vom Elefanten und den Pilzen auf Sorbisch und auf Deutsch vor. FOTO: Matthias Rietschel
Dresden. Witajc´e und Willkommen: In der Kindertagesstätte in der Dresdner Geisingstraße werden zurzeit sieben Kinder in sorbischer Sprache betreut. Die anderen 125 lernen die Sprache gleich mit. Sowas gibt es sonst nur in der Lausitz. Christine Keilholz

Kindergewusel unter blühenden Bäumen im Stadtteil Striesen. Der Frühling heißt hier "nalec´o", der Baum "tom". Hier sagen die Kleinen "Dobry dz´en!" und "Dajc´o sej sodz´ec´!", ganz selbstverständlich. Mit einfachen Sachen für den Sprachgebrauch wie "Guten Tag!" und "Guten Appetit!" beginnt der Bezug zur sorbischen Sprache.

132 Kinder können in Dresdens erstem sorbischen Kindergarten die Sprache lernen, die hier schon vor 1000 Jahren gesprochen wurde, ganz einfach beim Spielen, beim Essen und aus dem Bilderbuch. Schon lange gab es in Dresden Pläne, in den städtischen Kitas Sorbisch anzubieten, sagt Karin Schmidt, die Abteilungsleiterin für kommunale Kitas: "Wir fanden das total spannend, wir wollten aber bewusst einen Muttersprachler dafür einstellen."

In anderen Kindergärten der Stadt erziehen Muttersprachler ihre Schützlinge auf Englisch, Italienisch, Russisch oder Französisch. In der Geisingstraße wird nun Sorbisch gesprochen.

Hier heißt die Muttersprachlerin Sara Rötschke. Sie stammt aus Wittichenau und arbeitet seit vier Jahren als Erzieherin in Dresden. In der neuen Einrichtung betreut sie sieben Kinder, die zu Hause mit sorbischer Sprache aufwachsen. Einige von ihnen lernen erst in der Kita Deutsch - wie Rötschke als Kind auch.

Der Dresdner Verein für sorbische Kultur "Stub Dale" vermittelte die Erzieherin an die Stadt und machte so das Projekt möglich. Rötschke erarbeitete ein Konzept, durch das die Kinder im offenen Betreuungssystem mit der Sprache in Kontakt kommen.

Die anderen Kinder, sagt sie, kommen gut mit den sorbischen Wörtern klar, die sie immer mal fallen lässt. "Für die ist das eine gute Gelegenheit, ein Gefühl für eine andere Kultur, andere Sitten und Bräuche zu bekommen", sagt die 29-Jährige. Sie bekomme hier "ein positives Feedback, das man vielleicht im sorbischen Gebiet so nicht hätte", sagt sie.

Zufrieden ist auch der Verein "Stub Dale" über die Wertschätzung, die das Sorbische im Kindergarten erfährt. Mit der ersten sorbischen Gruppe in einer städtischen Kita erweitert sich das sorbischsprachige Betreuungsangebot in Dresden auf das gesamte Vorschulalter.

Mitten in Dresden, wo es eine eingefleischte Sorben-Community gibt, hat die Sprache einen festen, wenn auch eng umgrenzten Platz. Außerhalb beobachtet Sara Rötschke mit Freude, "dass man das Sorbische als etwas Interessantes ansieht", als etwas Faszinierendes und Exotisches.

Im Kindergarten führt sie die Kleinen an sorbische Bräuche und Feste heran, singt mit ihnen Kinderlieder und zeigt ihnen so, wie die Sprache lebt. Der Kindergarten in der Geisingstraße ist in Sachsen der einzige sorbische außerhalb des Stammgebiets der Sorben.

Im Haus gibt es Bilderbücher in beiden Sprachen. Der Elternbrief erscheint inzwischen zweisprachig. "Wir wollten bewusst keine Sprachkurse einrichten", sagt Kindergarten-Leiterin Jaqueline Grüneberg. Und die Resonanz ist erstaunlich gut. Inzwischen wollen immer mehr Kinder aus deutschen Familien Sorbisch lernen.

Auf andere Fremdsprachen will Grüneberg erstmal verzichten, "weil wir die Kinder nicht überfordern wollen".

Die Kita gibt es seit vergangenem Sommer mit Plätzen für 45 Krippen- und 87 Kindergartenkinder. Rundherum liegt noch Bauland brach. Die Stadt brauchte dringend Krippenplätze und ließ hier Container aufstapeln. 13 dieser "mobilen Raumeinheiten" stehen neuerdings in ganz Dresden. Da war für die Stadt die Gelegenheit günstig, gleich noch ein neues Sprachangebot zu machen.

Die bislang sieben Kinder in der sorbischen Gruppe bekommen im Herbst Zuwachs, bis jetzt sind vier weitere Kinder angemeldet. Einige waren zuvor bei einem sorbischen Tagesvater in Betreuung, wo sie ausschließlich Sorbisch sprachen.

Kindergartenchefin Grüneberg hat demnächst auch noch ein Musikprojekt vor, in Zusammenarbeit mit einer sorbischen Sängerin. "Es geht uns nicht darum, dass die Kinder am Ende fließend eine Sprache sprechen", sagt die 29-Jährige, "sondern dass sie früh in Kontakt damit kommen und später, wenn sie in der Schule Englisch lernen, leichter daran anknüpfen können". Man ist nun auf der Suche nach einer zweiten sorbischen Fachkraft, um das Sprachprofil auszubauen.