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| 19:10 Uhr

Rechte Bügerwehr
Erneut Festnahmen wegen Gewalt in Chemnitz

Demonstration der rechten Pro-Chemnitz-Bewegung am Freitag, 14. September 2018: Laut Polizei nahmen 3500 Menschen teil, die Veranstaltung selbst sei friedlich ausgegangen.
Demonstration der rechten Pro-Chemnitz-Bewegung am Freitag, 14. September 2018: Laut Polizei nahmen 3500 Menschen teil, die Veranstaltung selbst sei friedlich ausgegangen. FOTO: dpa / ---
Chemnitz. In der sächsischen Stadt Chemnitz haben bei einer rechten Kundgebung laut Polizei 3500 Menschen demonstriert. Nach Ende des Aufzugs nehmen Polizisten fremdenfeindliche Angreifer einer selbsternannten Bürgerwehr fest.

Nach einer Demonstration der rechten Initiative Pro Chemnitz ist es am Freitagabend in der sächsischen Stadt erneut zu einem Gewaltvorfall gekommen. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Samstag attackierten nach Ende des Aufzuges 15 Personen auf der Chemnitzer Schlossteichinsel eine siebenköpfige Gruppe aus Deutschen, Iranern und Pakistanern. Angreifer kreisten die kleinere Gruppe ein und beleidigten diese fremdenfeindlich. In der Folge wurde ein 26-jähriger Iraner durch einen Gegenstand leicht verletzt.

Alarmierte Einsatzkräfte nahmen die 15 Personen im Alter bis zu 33 Jahren fest. Sechs der Tatverdächtigen wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft am Samstag dem zuständigen Amtsgericht vorgeführt. Gegen einen 31-Jährigen, der unter Bewährung stand, erging ein Haftbefehl. Die fünf anderen wurden im beschleunigten Verfahren inhaftiert. Gegen sie soll in der kommenden Woche vor dem Amtsgericht verhandelt werden. Die anderen neun wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Laut Zeugenaussagen sollen die 15 Personen schon zuvor als Bürgerwehr aufgetreten sein und von einer anderen Gruppe feiernder Jugendlicher die Ausweise verlangt haben. Diese hätten daraufhin ihre Feier abgebrochen und die Polizei alarmiert. Angegriffen wurden die Jugendlichen nach gegenwärtigem Kenntnistand nicht.

Polizei: 18 Anzeigen gegen Teilnehmer rechter Kundgebung

An der rechten Demonstration am Freitagabend nahmen nach Polizeiangaben etwa 3500 Menschen teil. Laut Polizei verlief der Aufzug selbst störungsfrei. Es gab 18 Anzeigen vorwiegend wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie gegen das Waffengesetz, so die Behörden.

Mehrere der Demonstranten hätten Schutzbewaffnung wie Quarzhandschuhe oder Vermummungsgegenstände mit sich geführt. Ferner habe ein 26-Jähriger eine Kette mit einem Hakenkreuz-Anhänger getragen und ein Versammlungsteilnehmer den Hitlergruß gezeigt. Gegen beide werde wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt. Insgesamt war die Polizei mit 900 Beamten vor Ort sowie mit einer Reiterstaffel und Wasserwerfern.

In der Nacht zum 26. August wurde am Rande des Chemnitzer Stadtfestes ein 35-Jähriger erstochen. Tatverdächtig sind laut Staatsanwaltschaft drei Asylsuchende aus dem Irak und Syrien sein, von denen einer flüchtig ist. Einer der Tatverdächtigen bestreitet die Tat.

Der Vorfall löste in Chemnitz mehrere rechtsgerichtete Demonstrationen sowie Gegenveranstaltungen mit jeweils Tausenden Teilnehmern aus. Es kam wiederholt zu Ausschreitungen mit Verletzten sowie zu Angriffen auf Polizisten und Journalisten.

(epd/oht)