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Erinnerung an Euthanasie-Opfer

84 Matratzen aus Beton erinnern an das Martyrium der Menschen.
84 Matratzen aus Beton erinnern an das Martyrium der Menschen. FOTO: dpa
Colditz. Auf Schloss Colditz ist ein Gedenkort für 84 in den Jahren 1938 und 1939 dort ums Leben gekommene Psychiatrie-Patienten eröffnet worden. dpa/uf

Eine neue Kunstinstallation erinnert auf Schloss Colditz an das Leid von 84 dort gestorbenen psychisch Kranken. Der Gedenkort in einem Kellergewölbe wurde am Dienstag eingeweiht, wie ein Sprecher der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten GmbH sagte. Dort hat der Leipziger Künstler Thomas Moecker 84 zusammengerollte Matratzen aus Beton installiert.

Die Patienten der ehemaligen "Heil- und Pflegeanstalt" kamen in den Jahren 1938 und 1939 ums Leben. "Es ist ein unglaublich düsteres Kapitel", sagte der Sprecher. Die psychisch schwer Kranken wurden aus überfüllten sächsischen Anstalten nach Colditz gebracht. Dort wurden sie teils mit Schlafmitteln ruhiggestellt, bekamen viel zu wenig zu essen und lebten in kalten Räumen.

Schloss Colditz sei damit eine der ersten Anstalten, in denen psychisch Kranke im Nationalsozialismus systematisch in den Tod getrieben worden seien, sagte der Sprecher.

Der Gedenkort mit den Beton-Matratzen ist nach Angaben des Sprechers für Besucher durchgehend kostenlos zugänglich. Eine Tafel erklärt die Hintergründe, die Namen der Opfer sind aufgelistet. Die Einrichtung wurde geschlossen, bevor 1939 an ihrer Stelle ein Gefangenenlager für alliierte Offiziere eingerichtet wurde.