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| 03:08 Uhr

Erinnerung an Bautzener Gefangenenaufstand

Bautzen. 20 Jahre Mauerfall, 50. Jahrestag des Mauerbaus – besondere Anlässe haben das Interesse an der Gedenkstätte Bautzen seit 2009 verstärkt. Auch das diesjährige Programm setzt thematische Schwerpunkte, erinnert unter anderem an den Aufstand der Gefangenen 1950. Anett Böttger

An die Bautzener Gefängnisrevolte vor 62 Jahren wird am morgigen Samstag mit einer Gedenkandacht im Petri-Dom der Spreestadt erinnert. Verzweifelte Häftlinge hatten am 31. März 1950 im Gelben Elend aufbegehrt, wie die Gedenkstätte Bautzen mitteilte. Tausende waren damals auf engstem Raum im ehemaligen sowjetischen Speziallager eingesperrt. Es war 1945 im Gefängnis am nördlichen Stadtrand eingerichtet worden.

Brutal niedergeschlagen

Die Gefangenen litten unter Hunger, Kälte und Krankheiten. Sie forderten bessere Haftbedingungen und rasche Entlassung, nachdem die Volkspolizei das Lager im Februar 1950 übernahm. Die Häftlingsrevolte sei jedoch brutal niedergeschlagen worden. Die Gedenkandacht unter dem Motto "Der vergessene Aufstand" ist zugleich Auftakt für das diesjährige Programm der Gedenkstätte im früheren Stasi-Gefängnis von Bautzen. Es sieht bis Dezember 14 Veranstaltungen vor.

Alltagsleben in der DDR

Eine Ausstellung mit dem Titel "Die heile Welt der Diktatur?" wird am 10. Mai eröffnet. Die Schau in der früheren Fahrzeugschleuse zeigt auf knapp 20 großformatigen Plakaten Szenen aus dem Alltagsleben der DDR, sagte Gedenkstättenmitarbeiter Sven Riesel. "Hörgang" nennt sich ein neuer Ausstellungsabschnitt, der ab 6. Juni für eine besondere Geräuschkulisse in der ehemaligen Sonderhaftanstalt sorgt. Besucher sollen auf diese Weise einen Eindruck von der akustischen Atmosphäre bekommen, wie sie Gefangene einst in ihren Zellen erleben mussten.

Im Juli öffnet sich die Gedenkstätte wieder zu "Kino im Freihof". Die Veranstaltungsreihe fand bei ihrer Premiere im vergangenen Jahr eine sehr gute Resonanz, sagte Riesel. 2012 widmet sich das Programm an vier Abenden dem Thema "Politische Haft im internationalen Film". Die Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen DDR und BRD vor 40 Jahren ist Anlass für ein Podiumsgespräch am 19. September. Der langjährige Leiter der ständigen Vertretung der BRD in Ost-Berlin, Hans Otto Bräutigam, wird dabei über die diplomatische Betreuung politischer Gefangener sowie deren Freikauf sprechen.

Kritiker, Spione, Flüchtlinge

2011 zählte die Gedenkstätte mehr als 103 000 Besucher, etwa 2000 mehr als 2010. Die Einrichtung erinnert an Opfer politischer Verfolgung in der Zeit von Diktaturen in beiden Bautzener Gefängnissen. Die Haftanstalt in der Ostvorstadt entstand zwischen 1902 und 1906 als Teil eines Justizkomplexes. Von 1956 bis 1989 hielt die Staatssicherheit dort Kritiker des SED-Regimes, Spione westlicher Geheimdienste, Republikflüchtlinge und auch straffällige SED-Funktionäre fest. Erich Loest, der von 1958 bis 1964 in Bautzen II inhaftiert war, nannte das Ensemble "Gerechtigkeitskombinat".

Vor allem junge Besucher besichtigen die Ausstellung "Gewalt hinter Gittern – Gefangenenmisshandlungen in der DDR". Fotos: dpa
Vor allem junge Besucher besichtigen die Ausstellung "Gewalt hinter Gittern – Gefangenenmisshandlungen in der DDR". Fotos: dpa