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| 01:03 Uhr

Endspurt für Görlitz

Blick über die Dächer von Görlitz . Im Rennen um den Titel der Kulturhauptstadt 2010 steht noch in diesem Jahr die Entscheidung an.
Blick über die Dächer von Görlitz . Im Rennen um den Titel der Kulturhauptstadt 2010 steht noch in diesem Jahr die Entscheidung an. FOTO: dpa
Für das ostsächsische Görlitz ist ein entscheidendes Jahr angebrochen. Spätestens im November soll feststehen, ob die deutsch-polnische Grenzstadt oder Essen 2010 Europas Kulturhauptstadt wird. Gerade sind die Bewerbungsunterlagen an die Europäische Kommission in Brüssel übergeben worden. Da wartet schon die nächste Herausforderung auf die beiden deutschen Kandidaten, die 2005 acht Mitbewerber im eigenen Land aus dem Feld geschlagen haben. Voraussichtlich schon im März sollen sich Görlitz und Essen vor der siebenköpfigen Jury in Brüssel präsentieren. Von Anett Böttger

Mit der Übergabe der Bewerbung im Dezember hat Görlitz zweifellos Eindruck erweckt. Während Essen die Unterlagen per Post in die belgische Hauptstadt schickte, ließ es sich Görlitz nicht nehmen, eine Delegation nach Brüssel zu entsenden. Auch Ireneusz Aniskiewicz, stellvertretender Bürgermeister in Zgorzelec, reiste mit. Schließlich bewirbt sich Görlitz zusammen mit der polnischen Nachbarstadt. Aufsehen erregten wohl auch die Bewerbungsschriften selbst. Sie waren in 16 handgefertigten Koffern verpackt, und in jedem davon steckte ein Miniatur-Kunstwerk der Görlitzer Künstlerin Stella Pfeiffer.
Unterdessen geht die Arbeit vor Ort weiter. Das Görlitzer Kulturhauptstadtbüro bereitet für 2006 wieder verschiedene Veranstaltungen vor. Ein Gedenkkonzert für Olivier Messiaen steht am Anfang. 1940/41 komponierte der Franzose im Görlitzer Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A das "Quartett für das Ende der Zeit". Am 15. Januar, wenn sich die Uraufführung zum 65. Male jährt, erklingt das Werk in der Kirche St. Bonifatius in Zgorzelec. Zugleich wird bei dem Konzert an den Pfarrer Franz Scholz gedacht, der von 1940 bis 1948 als Seelsorger im Kriegsgefangenenlager am östlichen Ufer der Neiße wirkte.

Veranstaltungsreihe geplant
Für Mai ist die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe "Brückenpark im Licht" geplant, verrät Thomas Kiemle, Regisseur und Mitarbeiter im Görlitzer Kulturhauptstadtbüro. Unter diesem Motto wurde das zentrale Projekt der Bewerbung 2005 dreimal in Szene gesetzt. Zuletzt erfolgreich am 17. Dezember, als sich eine "Klangspur Europa" durch Görlitz und Zgorzelec zog. Das erste Kunstfest in diesem Jahr soll sich Theater und Performance widmen. Für das zweite Halbjahr ist ein weiterer Thementag vorgesehen, bei dem die neue gemeinsame kulturelle Mitte der seit 1945 geteilten Stadt ins Licht gerückt wird. Der Brückenpark soll sich künftig auf rund zwei Kilometern Länge zu beiden Seiten der Neiße erstrecken.
Parallel müht sich der Förderverein Kulturhauptstadt Görlitz-Zgorzelec 2010, die breite Öffentlichkeit für die Bewerbung zu begeistern. So lädt er regelmäßig zu Diskussionsrunden in die "Arena Kulturhauptstadt" ein. Auf Initiative des Vereins fährt seit September 2005 ein Triebwagen der Lausitzbahn mit dem Logo der Bewerbung durch Sachsen. Der Kulturzug kommt auch bei Sonderaktionen zum Einsatz, um Künstler und Repräsentanten aus anderen Regionen des Freistaates nach Görlitz zu holen. Am 26. Januar will Bautzen auf diese Weise seine Sympathie für die Kulturhauptstadtbewerbung bekunden. Dresden und Leipzig sollen folgen, ganz unter dem Motto "Sachsen für Görlitz-Zgorzelec".

Zum Thema Kulturhauptstadt
 Der Titel Kulturhauptstadt Europas wird seit 1985 an eine europäische Stadt vergeben. Der Rat der Europäischen Union verleiht den Titel auf Empfehlung der Europäischen Kommission. In dem entsprechenden Jahr finden in den Kulturhauptstädten viele kulturelle Veranstaltungen statt. Die Städte können eine erhöhte Aufmerksamkeit und zusätzliche Besucher für das Jahr verbuchen. In diesem Jahr ist die griechische Hafenstadt Patras Kulturhauptstadt.