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| 02:44 Uhr

Eisenlieferant Spreewitzer Rinne

Kaffeebraun durch Eisenocker aus Sachsen ist die Spree in Spremberg.
Kaffeebraun durch Eisenocker aus Sachsen ist die Spree in Spremberg. FOTO: Wendler
Schleife. Am Spreewaldrand greifen erste Maßnahmen gegen die "braune Spree", doch weiter südlich geht es noch nicht voran. Nur die Talsperre Spremberg schützt das Biosphärenreservat vor viel Eisenocker aus Sachsen. Die Landesgrenze erschwert das Handeln. Simone Wendler

Edelbert Jakubik ist frustriert. "In Brandenburg ist schon so viel auf den Weg gebracht worden und in Sachsen noch keine Schippe angefasst", sagt er am Rande eines länderübergreifenden Regionalforums vor wenigen Tagen in Schleife (Landkreis Görlitz). Jakubik ist Mitglied des Aktionsbündnisses "Klare Spree" das gegen die Verockerung der Spree kämpft.

Zum zweiten Treffen dieser Art hatten die regionalen Planungsgemeinschaften Lausitz-Spreewald und Oberlausitz-Niederschlesien eingeladen. Denn das Problem der zunehmenden Eisenhydroxid-Fracht der Spree können Brandenburg und Sachsen nur gemeinsam lösen.

Die Landesgrenze und die Zuständigkeit verschiedener Behörden sorgen jedoch dafür, dass es dabei noch knirscht. Das machte das Treffen in Schleife erneut deutlich.

In Brandenburg wird auf das Tempo gedrückt. Das Landesbergamt ist hier nicht nur für den aktiven und den Sanierungsbergbau, sondern auch für damit verbundene Wasserprobleme zuständig. Der Chef des Amtes, Klaus Freytag, ist Landesbeauftragter für alle Fragen der Spreeverockerung.

In Sachsen, wo die braune Brühe in Richtung Brandenburg abfließt, scheint der Leidensdruck deutlich geringer. Der Umweltausschuss des sächsischen Landtags hatte erst im Februar ein Treffen mit den Kollegen aus Brandenburg zum Thema "braune Spree" abgelehnt.

Die Zuständigkeit für das Problem ist im Freistaat auf das Oberbergamt und die Landesdirektion Sachsen als obere Wasserbehörde verteilt, und beide sind sich nicht einig.

Keine Grenzwerte

Für Christoph Voigt, Chef des Oberbergamtes in Freiberg, gibt es für Eisenhydroxid keine gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte und damit kein klares Sanierungsziel. "Die braune Farbe des Flusses ist nicht verboten", sagte er in Schleife.

Reinhard Gross von der Landesdirektion Sachsen hielt dagegen: "Ein Ziel haben wir schon, es gibt biologische Qualitätskomponenten." Nach europäischer Wasserrichtlinie gebe es ein Verschlechterungsverbot: "Und verschlechtert hat sich die Situation seit 2011 schon."

Eisenhydroxid, "Ocker" genannt, entsteht durch Verwitterung eisenhaltiger Mineralien, wenn sie im Boden mit Sauerstoff in Berührung kommen. Das geschieht durch Grundwasserabsenkung für den Braunkohlebergbau. Wenn das Wasser wieder großflächig ansteigt, was in der Lausitz jetzt der Fall ist, wird das Eisenhydroxid ausgewaschen. Ab drei Milligramm Eisen pro Liter ist das Wasser braun.

Eisenocker ist nicht giftig, doch der Schlamm schädigt Kleinlebewesen, Pflanzen und Fische in den Flüssen. Schlammbraunes Wasser schreckt außerdem Touristen im Spreewald ab. Zwei Schwerpunkte der Entstehung sind identifiziert.

Keine schnelle Besserung

Im "Nordraum" südlich des Spreewaldes kommt das Eisen aus Kippenböden. Im sächsischen "Südraum" bei Neustadt kommt eine hohe Eisenfracht aus der "Spreewitzer Rinne", einer besonderen geologischen Struktur. Dort werden 300 bis 400 Milligramm Eisen pro Liter Wasser in die Spree gespült. Doch gerade dort gibt es wenig Hoffnung für eine baldige Besserung.

Die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) verfolgt dort vor allem zwei Vorhaben. Ein Teil des Wassers aus der Kleinen Spree soll über ein Altbecken der Grubenwasserreinigungsanlage Burgneudorf geleitet werden, in dem sich der Eisenschlamm absetzen kann.

Industrieanlage oder Biotop

Doch die lange ungenutzte Anlage ist inzwischen von jungen Bäumen überwachsen und gilt deshalb nicht mehr als Industrieanlage, sondern als Biotop. Einer schnellen Reaktivierung steht deshalb der Umweltschutz im Wege. Und auch bei der zweiten Sofortmaßnahme an der Spreewitzer Rinne gibt es mit dem Naturschutz einen Konflikt.

Ein "Abfangriegel" mit zwei Filterbrunnen soll eisenbelastetes Wasser einfangen und zur Wasserreinigung in Schwarze Pumpe bringen. Vom Ocker befreit soll es von dort zurück in die Spree fließen.

Doch die Filterbrunnen würden auch ein benachbartes geschütztes Feuchtgebiet austrocknen. In einer Woche werden LMBV und das Umweltamt Bautzen zusammensitzen, um für die Wiederinbetriebnahme der Reinigungsanlage Burgneudorf eine Lösung zu suchen.

Spremberg wird deshalb vermutlich noch lange damit leben müssen, dass die Spree in der Stadt die Farbe von Milchkaffee hat. Dass das Eisenocker aus der Spreewitzer Rinne nicht direkt Richtung Spreewald rauscht, ist nur der Talsperre Spremberg zu verdanken (siehe unten). Etwa fünfeinhalb Tonnen Eisenschlamm täglich bleiben dort in Vorsperre und Speicherbecken hängen. Der Talsperrenboden wächst dadurch pro Jahr um gut einen Zentimeter.