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| 15:15 Uhr

Gerichte
Justitia lässt in Sachsen bitten

Auch das Dresdner Landgericht  öffnet vom nächsten Mittwoch an bis zum Freitag seine Pforten für Besucher.
Auch das Dresdner Landgericht öffnet vom nächsten Mittwoch an bis zum Freitag seine Pforten für Besucher. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Dresden/Leipzig. Post von Staatsanwalt und Gericht verheißt meist nichts Gutes. Die Behörden sind normalerweise auch nicht für jedermann zugänglich. Nun öffnen sich die Horte des Gesetzes aber – kurzzeitig.

Platz nehmen auf der Anklagebank, Warten im Haftkeller, Richter zum Anfassen: Vom 24. bis 26. Oktober öffnen sich die Türen der Staatsanwaltschaften und Gerichte in Sachsen für Neugierige. „An den Offenen Tagen der Justiz kann jeder mal hinter die Kulissen schauen“, sagt Justizminister Sebastian Gemkow (CDU). In den drei Tagen bestehe die Möglichkeit, sich ein Bild vom Arbeitsalltag der ordentlichen Gerichtsbarkeit zu machen, die vor einem Vierteljahrhundert wiedererrichtet wurde. Die Spanne des Programms reicht von Hausführungen über den „Prozess zum Anfassen“ bis zu Gesprächen.

Dabei machen fast alle Amts-, die fünf Landgerichte und das Oberlandesgericht (OLG) mit. Von Einlasskontrolle bis Haftkeller ist nahezu jeder Bereich zugänglich, selbst die Strafverfolger und -vollstrecker lassen sich in die Karten sehen. „Für die Justiz bietet das neben der Aufklärung die Chance, für ihre Berufsbilder zu werben“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Interessenten können hautnah mit Wachtmeistern der „Hauspolizei“ ebenso ins Gespräch kommen wie mit Rechtspflegern, auch Staatsanwälte und Richter geben Auskunft. Gerichtsverhandlungen werden inszeniert, teils auch von Schülern, oder während der Verhandlung das Verfahren erläutert. Experten informieren über Beweis- und Spurensicherung, Sicherheitstechnik und Deeskalation, stellen Asservate vor oder unbekannte Systeme der digitalen Justiz wie Samjus oder Lama.

Juristen geben Auskunft über rechtliche Themen von Vormundschaft über Wahrheit und Glaubhaftigkeit von Zeugen bis zum „Wolf im Visier des Rechts“ und den Lügendetektor. Besucher können in Gefangenentransporter oder einem Phantombildzeichner über die Schulter schauen, bei einer Zwangsversteigerung von Gerichtsvollziehern Schnäppchen machen und im „Gitterladen“ Produkte kaufen, die in den Justizvollzugsanstalten hergestellt werden.

Die ordentlichen Gerichte sind für Straf- und Zivilsachen zuständig und waren schon im 17. Jahrhundert mit unabhängigen Richtern besetzt, erklärte der Ministeriumssprecher die Bezeichnung. Die zu DDR-Zeiten existierenden Kreis- und Bezirksgerichte wurden 1993 mit der Wiedererrichtung von Amts- und  Landgerichten sowie OLG ersetzt, die sich nun zum 25-jährigen Geburtstag vorstellen.

Im OLG liest Schriftstellerin Petra Morsbach zur Eröffnung der Justiz-Tage aus ihrem preisgekrönten Roman „Justizpalast“, später nehmen Richter die Essays von Ferdinand von Schirach unter die Lupe. Im Zwickauer Landgericht wird der Schwurgerichtssaal sogar zur Bühne: Der Theater-Jugendclub inszeniert „Die Ordnung der Welt!“ als Lesung und Performance. Und das Gerichtszentrum in Chemnitz macht auch den Jüngsten klar, dass Justiz spannend ist: mit „Krimi und Grusel im Haftkeller“.

Justizministers Sebastian Gemkow lädt ein, sich ein Bild über die Arbeit der Justiz im Freistaat zu machen.
Justizministers Sebastian Gemkow lädt ein, sich ein Bild über die Arbeit der Justiz im Freistaat zu machen. FOTO: Arno Burgi
(dpa)