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| 18:54 Uhr

Freizeit
Ein Hauch von „Baywatch“ auf Sachsens größtem See

Ausbilder Jens Kammann vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) zeigt in einer Übung auf dem Bärwalder See, wie man Badegäste mit einem Jetski rettet. 
In dem Fall spielte Jessica Fiedler von der Dresdner Wasserwacht die zu Rettende. Das DRK überwacht das Areal dort mit mehreren Rescue Water Craft-Fahrzeugen.
Ausbilder Jens Kammann vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) zeigt in einer Übung auf dem Bärwalder See, wie man Badegäste mit einem Jetski rettet. In dem Fall spielte Jessica Fiedler von der Dresdner Wasserwacht die zu Rettende. Das DRK überwacht das Areal dort mit mehreren Rescue Water Craft-Fahrzeugen. FOTO: dpa / Oliver Killig
Klitten. Auf dem Bärwalder See trainieren die Ehrenamtler der sächsischen DRK-Wasserwacht den Ernstfall – genau wie einst David Hasselhoff in „Baywatch“ nutzen sie einen wendigen Rescue Water Craft. Für die Ausbildung auf dem Rettungs-Jetski kommen Interessenten auch aus anderen Bundesländern in den Osten des Freistaats. dpa

Das Kraftwerk Boxberg (Landkreis Görlitz) schickt weiße Zuckerwattewolken in den makellos blauen Spätsommer-Himmel. Ein paar Boote haben ihre Segel gesetzt, ab und zu tuckert ein Motorboot über den Bärwalder See. Plötzlich wenden sich die Blicke der Gäste im Hafen-Bistro auf das Wasser. Dort schwimmt eine Rettungsinsel, darauf ein paar junge Leute in Badesachen. Sie zünden eine Signalfackel. Roter Rauch steigt auf. Ein Mädchen treibt in den Wellen.

Doch das Team der DRK-Wasserwacht ist schon zur Stelle. Schnell steigt Jens Kammann, Leiter der Wasserrettung, auf ein robustes Motorrad für das Wasser. Ein DRK-Rettungsboot begleitet ihn zu den Menschen auf der Rettungsinsel in Sachsens größtem, im Landkreis Görlitz gelegenen See. Binnen kürzester Zeit sind die Helfer mit Blaulicht auf dem Wasser. Kammann stoppt mit seinem Rescue Water Craft (RWC) kurz vor der treibenden Frau. Vorsichtig klettert er nach hinten und holt sie mit ein paar gezielten Handgriffen auf eine im Wasser liegende gelbe Trage. Dann bringt er die Gerettete an den Steg. Zum Glück ist dieser Einsatz nur eine Übung der Wasserretter.

Lars Werthmann, stellvertretender Krisen-Manager beim DRK-Landesverband, verfolgt das Manöver seiner Kollegen. „Gewässerschutz hat in Sachsen keine gesetzliche Verankerung. Normalerweise wäre der Bärwalder See unbewacht. Das können wir als DRK aber so nicht stehen lassen“, sagt der 33-Jährige. Deshalb ist die DRK-Rettungswache am Klittener Ufer an den Wochenenden jährlich vom 1. April bis 31. Oktober ehrenamtlich durch ausgebildete Wasserretter der unterschiedlichen Ortsverbände besetzt. Sie haben dabei einen Blick auf den See – und bekommen gleichzeitig ihre Trainingseinheiten auf den neuen Wasserrettungsschlitten.

Kammann fährt wieder los. Zu diesem in Deutschland noch neuen Rettungsfahrzeug kam der versierte Retter über seine Liebe zum Jetski. Darauf ist der Oberlausitzer einst Weltmeisterschaft gefahren. Seit neun Jahren nutzt er sie zur Wasserrettung. Seine Ausbildung absolvierte er in den USA. Dort gehören die Rescue Water Crafter längst zum Standard: Serienfans kennen sie aus der US-Reihe „Baywatch“. Für Kammann ergänzt der RWC perfekt Rettungsboote – weil die Jetskis weder außenliegende Propeller noch eine hohe Bordwand haben, die es schwer machen, die Hilfesuchenden aufzunehmen. „Sie können ja mal versuchen, einen Körper über eine Bootswand zu heben“, sagt er.

Der Ausbilder zeigt seinen Kollegen nochmals die Handgriffe für die Rettungsaktion mit dem Wasserschlitten und der hilflosen Person. Die Kollegen kommen auch aus anderen Bundesländern – Kamann ist der einzige RWC-Ausbilder in Deutschland. Mit den Wasserrettern aus Bayern übte er 2018 schon auf dem Bärwalder See, den Helfern aus Mecklenburg-Vorpommern vermittelte er an der Ostsee sein Wissen. Hilfsorganisationen zeigte Kammann, wie man mit dem RWC an Flüchtlingsbooten anlanden kann. Seine Schüler kommen von Feuerwehren, THW wie Polizei. Knapp 200 Retter habe er ausgebildet. Sachsen sei auf diesem Gebiet der Rettung ein Vorreiter.

Am Bärwalder See sind in der Saison gleich zwei dieser schnellen Wasserretter an den Wochenenden stationiert. Kammann fährt vom Klittener Ufer auf die Boxberger Seite. Der Badestrand ist gut besucht. Zwei RWC mit bereits ausgebildeten DRK-Wasserwachtlern liegen am Ufer im Wasser. Sie sind bei den Kindern so beliebt wie Polizeimotorräder. Knapp 13 Quadratkilometer groß ist das ehemaligem Braunkohletagebau-Terrain mit vielen Buchten und zum Teil schlecht einsehbar. Neben Badegästen nutzen ihn Bootssportler, Surfer und Kiter. „Einige schätzen ihr Können falsch ein, auch der Wind kann sich drehen. Dann kommt unser Einsatz“, sagt Nicole Porzig, Referentin Katastrophenschutz im DRK-Landesverband. Die Rettungswache im Klittener Hafen steht immer in direkter Verbindung mit der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda.

In diesem Jahr liegen aufgrund des schönen Sommers hinter den Ehrenamtlern am Bärwalder See bereits gut 2000 Dienststunden. 40 Mal wurde ihre Hilfe benötigt. Im vergangenen Jahr waren es bis zum Ende der Badesaison 31 Notfälle vom Sonnenstich bis zur Rettung Ertrinkender. „Ab kommendem Jahr soll hier ein Personenschiff fahren. Was ist, wenn es da mal eine Havarie gibt. Allein mit Spenden und im Ehrenamt werden wir dies nicht leisten können“, sagt Werthmann. Er wünscht sich, dass die Wasserwacht im Freistaat wie in anderen Bundesländern über den Rettungsdienst und damit über Länder und Kommunen abgesichert wird.

FOTO: © ZOI Imagery/Shutterstock.com