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Ein Fluss mit Wassermangel

Ohne einen ausreichenden Wasserstand können weder Ausflugsdampfer noch Frachtschiffe auf der Elbe fahren.
Ohne einen ausreichenden Wasserstand können weder Ausflugsdampfer noch Frachtschiffe auf der Elbe fahren. FOTO: dpa
Dresden. Die 89 Zentimeter, die der Elbpegel gestern in Dresden zeigte, sind wieder ganz gut. Es war schon deutlich weniger in diesem Monat. Christine Keilholz / ckz1

Wenn die Hitze zuschlägt, wie Anfang Juli, steht der Fluss hier auch mal unter 70 Zentimeter. Dann bleiben die Dampfer der Weißen Flotte lieber, wo sie sind. Die Sächsische Dampfschifffahrt, die älteste Raddampferflotte der Welt, fährt seit 1836 Ausflügler zwischen Bad Schandau und Diesbar-Seußlitz hin und her.

Die neun historischen Seitenraddampfer der Weißen Flotte wurden bis in die 1920er-Jahre in Dresden-Laubegast und Blasewitz zusammengeschraubt. Fahrgastschifffahrt auf der Oberelbe war damals noch ein sicheres Geschäft. Die Touren durch das Elbsandsteingebirge kannte jeder eingefleischte Sachse, Mundartdichter sangen Lieder darauf.

Dass der Fluss mal solche Zicken machen würde, war damals noch nicht absehbar. Die Elbe benimmt sich wie eine Diva. Sie straft ihre Bewunderer mit Ignoranz. Und wenn sie nicht mag, verweigert sie den Dienst. Wer im Hochsommer von den Elbterrassen nach unten schaut, sieht statt Wasser über weite Strecken den blanken Kies. Der ist nichts fürs Auge. Aber das ist nur ein Teil des Problems.

Die Bundeswasserstraße Elbe ist Bestandteil des europäischen Verkehrsnetzes. Durch sie ist Sachsen an die norddeutschen Seehäfen und den internationalen Handel per Schiff angebunden.

Für Sachsen ist die Elbe gleichsam die Verbindung zu den Weltmeeren - mehr noch für die Tschechische Republik, die als Binnenland naturgemäß vom Seehandel abgeschnitten ist. Wenn aber jeden Sommer wieder der Betrieb auf dem Strom eingestellt werden muss wegen anhaltendem Niedrigwasser, was ist die Bundeswasserstraße Elbe dann noch wert?

Vor allem für den Güterverkehr. Die "Sächsische Binnenhäfen Oberelbe" bewirtschaftet als Umschlagunternehmen die Häfen Dresden, Riesa und Torgau. In der Bilanz für 2016 schlägt sich das anhaltende Niedrigwasser in den Sommermonaten nieder. Von Mai bis Oktober müssen die Containerschiffe mit niedrigen Wasserständen klarkommen. Trotzdem, so das Unternehmen, stieg der Umsatz an allen drei Standorten um zwölf Prozent. Mehr als 235 000 Tonnen wurden auf dem Fluss bewegt - zumeist Schrott, Sojaschrot, Stahlbleche, Dünger und Holz.

Um die Elbe dauerhaft für den Güterverkehr nutzbar zu halten, haben Bund und Länder seit den 1990er-Jahren Millionen investiert. Viel Geld floss auch in den Ausbau der Häfen. Kritiker - vor allem von Umweltverbänden - sehen hier indes riesige Millionengräber.

Der Fluss sei wegen schwankender Wasserstände so oder so schlecht planbar für die Logistik, so die Kritik. Daran hätten auch jahrelange Baumaßnahmen nichts geändert.

Für die langfristige Entwicklung des Flusses haben Bund und Länder im Januar ein Gesamtkonzept Elbe beschlossen. Einerseits geht es um den Erhalt einer sensiblen Flusslandschaft - andererseits um die vielen unterschiedlichen Interessen derer, die zwischen Tschechien und Hamburg den Fluss nutzen wollen. Jahrelang konnte weder die Erosion hinreichend bekämpft werden, noch die Schifffahrt befriedigend laufen.

Umweltschützer sehen derweil als Kernproblem die anhaltende Eintiefung des Flusses auf nahezu der gesamten Strecke.

Auch das Gesamtkonzept Elbe hat eine lange Strecke. Bis Ende 2018 wollen alle beteiligten Länder und Interessenvertreter erste Vorschläge vorlegen, wie es mit dem insgesamt 1091 Kilometer langen Fluss weitergeht.