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| 02:41 Uhr

Dresdner blockieren Neonazis

Dresden. (dpa/ik) In Dresden haben sich am Samstag bis zu 1000 Menschen einem Aufzug von mehreren Hundert Neonazis in den Weg gestellt. Sie waren wegen des Jahrestages der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg durch die Stadt gezogen.

Auf einer Kundgebung der Rechtsextremen bezeichnete sich der vorbestrafte Neonazi und Holocaust-Leugner Gerhard Ittner am Samstag als "überzeugten Nationalsozialisten" und verherrlichte die NS-Ideologie als "Modell für die ganze Welt". Der Auftritt könnte juristische Folgen haben. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Nach Angaben der Polizei wurde Ittner schon während der Kundgebung angesprochen, man habe ihm die Auflösung der Versammlung angedroht. Neben Ittner hatten auch andere Redner gehetzt. Zuletzt spendeten ihnen noch etwa 100 Demonstranten Beifall, darunter auch viele Anhänger der islam- und ausländerfeindlichen Pegida-Bewegung.

Rechtsextreme missbrauchen den Jahrestag der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 regelmäßig für ihre Zwecke und rechnen die Opferzahlen hoch, um so "alliierte Kriegsverbrechen" zu belegen. Bei Ittners Aufzug hatten sich zunächst gut 200 Rechtsextreme am Zwingerteich versammelt. Sie konnten ihren Marsch in die Neustadt nicht wie geplant durchführen, weil vor allem viele junge Menschen die Brücken blockiert hatten.

Ittner war im November 2015 vom Landgericht Nürnberg-Fürth unter anderem wegen Volksverhetzung zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Auf der Abschlusskundgebung kündigte er den Schweizer Rechtsextremisten Bernhard Schaub als "bekennenden Holocaust-Leugner" an. Er selbst nahm das Wort Holocaust-Lüge zwar nicht in den Mund, sprach aber "von der größten Lüge der Weltgeschichte".

Gegen Abend gab es im Umfeld des Dresdner Hauptbahnhofes einen zweiten Aufzug Rechtsextremer, der von der örtlichen Szene angemeldet war. Am Rande machten immer wieder Gegendemonstranten mit Sprechchören ihrem Unmut Luft. An einer Stelle musste die Route wegen Sitzblockaden verlegt werden. 1300 Polizisten und Bundespolizisten aus Sachsen, Berlin, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und dem Saarland, Thüringen trennten die Lager.

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Die Verleihung des Dresdner Friedenspreises ist am Sonntag zu einem bewegenden Plädoyer für Menschlichkeit geworden. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis ging an Domenico Lucano, Bürgermeister des italienischen Dorfes Riace in Kalabrien. Er nahm in den vergangenen Jahren viele Flüchtlinge auf und integrierte sie ins Dorfleben. Amalia und Giuseppe Gelardi erhielten einen Sonderpreis. Sie hatten ein 17 Jahre altes Mädchen aus Eritrea, das auf der Flucht ertrunken war, in ihrer Familiengrabstätte auf einem Friedhof in Sizilien beigesetzt.