| 02:59 Uhr

Dresdens zweifelhafte Helden

In der Flutrinne versammelten sich am gestrigen Montagabend nur einige Tausend Pegida-Anhänger, um Geert Wilders zuzuhören. Angemeldet waren bis zu 30 000.
In der Flutrinne versammelten sich am gestrigen Montagabend nur einige Tausend Pegida-Anhänger, um Geert Wilders zuzuhören. Angemeldet waren bis zu 30 000. FOTO: dpa
Dresden. Europas bekanntester Islamgegner feiert die Dresdner Pegidas als heldenhafte Patrioten. Die waren indes deutlich weniger als erwartet beim großen Auftritt in der Flutrinne. Christine Keilholz

Für den Ehrengast aus den Niederlanden hatte sich Lutz Bachmann recht in Schale geworfen. Anzug, sogar Krawatte, so trat der Pegida-Chef am lauen Montagabend vor seine Fans. Der Aufzug markiert die Feierlichkeit des Anlasses. Der Auftritt des europaweit berüchtigten Rechtspopulisten und Islamgegner soll neues Leben in die Pegida-Bewegung pumpen. 30 000 Teilnehmer hatte Bachmann für die Kundgebung an der Flutrinne angemeldet.

Indes, für die Größenordnung, die sich tatsächlich einfand am Montagabend, war die Wiese am Fluss, die normalerweise Hochwasser abfangen soll, dann doch zu weitläufig. Geschätzt 10 000 Schaulustige standen um die Bühne, als Geert Wilders kurz vor 18 Uhr seinen Auftritt hatte. Gerade vom Flughafen gekommen, schrieb er den Pegida-Anhängern ins Stammbuch: "Für mich seid ihr alle Helden". Es sei die Pflicht, die jüdisch-christliche Tradition zu verteidigen. Und es sei auch nichts Falsches daran, Patriot zu sein. Vielmehr sieht Wilders die Zusammenkunft zu seinen Ehren in der Tradition von Kant, Schiller und Stauffenberg. "Ihr habt vor 26 Jahren Deutschland die Wende gebracht", betonte er. "Wir brauchen heute wieder eine Wende."

Wochenlang hielt sich der öffentliche Auftritt der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" in der Dresdner City auf Kaffeesatzniveau. Von den 25 000 Mitläufern, die das Bündnis im Januar zog, fanden sich zu den Montagsspaziergängen nur noch maximal 7000 ein. Indes, immer noch genug, um den Topf am Köcheln zu halten. Zumal die Kerntruppe rund um Bachmann nach der Abspaltung der eher gemäßigten Pegida-Teile sich immer mehr radikalisiert hat.

Nach Wilders sprach die frisch gekürte OB-Kandidatin des Pegida-Vereins, Tatjana Festerling. Die geschasste AfD-Frau aus Hamburg, die demnächst das Rathaus erobern will, wetterte gegen einen nicht näher benannten "Haufen linker Spinner", der sich daran gemacht habe, die Strukturen in Dresden zu zersetzen. Und zeigte sich beleidigt, dass sie zu einer gemeinsamen Pressekonferenz der OB-Kandidaten am Mittag nicht eingeladen war. Da hatten die Kandidaten Markus Ulbig (CDU), Eva-Maria Stange (SPD) und Dirk Hilbert (FDP) sich zu einer gemeinsamen Erklärung vor der Presse versammelt. Ihre Botschaft: Die Mehrheit der Dresdner wolle mit Pegida nichts zu tun haben. "Wer unter der Fahne von Geert Wilders mitläuft", erklärte Stange, "der hat eine Grenze überschritten." Innenminister Ulbig nannte Wilders "einen, der Hass verbreitet und spaltet" und ermahnte alle Demo-Teilnehmer zur Friedlichkeit. Hilbert, der momentan die Geschäfte im Rathaus führt, sprach von einem "dramatischen Image-Problem", das die Stadt durch die seit Monaten marschierenden Islamgegner habe.

Schon am Nachmittag hatten sich in der Dresdner Innenstadt Tausende Pegida-Gegner aus verschiedensten Gruppen versammelt, um ein Zeichen für die Buntheit ihrer Stadt zu setzen.