| 02:38 Uhr

Dresdens ewige Baustelle

Von außen sieht das Schloss fertig aus . . .
Von außen sieht das Schloss fertig aus . . . FOTO: dpa
Dresden. Von außen sieht das Schloss fertig und alt aus. Drinnen ist vieles neu und manches längst nicht fertig. Christine Keilholz / ckz1

Das Dresdner Residenzschloss lag 40 Jahre in Trümmern. Seit 30 Jahren wird unentwegt daran gebaut. Ein Museumsquartier von Weltrang soll hier entstehen. Das Residenzschloss im Herzen der Altstadt ist Ursprungsort und Zentrum der Dresdner Kunstsammlungen.

Das verschlingt viel Geld. Gerade erst haben Sachsen und der Bund eine Finanzierungsvereinbarung für den Ausbau des zweiten Obergeschosses im Nordflügel unterzeichnet. Sechs Millionen Euro fließen aus Berlin für den Großen Ballsaal, das Turmzimmer und den Propositionssaal. Kulturstaatsministerin Monika Grütters lobt den 800 Jahre alten Bau als "kulturellen Leuchtturm im Osten Deutschlands". Wenn der Bau einmal abgeschlossen ist, soll das Schloss, so Grütters, als "europäisches Museum der Kunst und der Wissenschaft erstrahlen".

Das Schloss bildet Herz und Mitte des berühmten Dresdner Barockensembles, ist aber deutlich älter. Seit 1485 war es ständige Residenz sächsischer Herrscher und damit Machtzentrum der sächsischen Kurfürsten und Könige. Der Wettiner Markgraf Wilhelm der Einäugige baute die Anlage an der Elbe im 15. Jahrhundert zur Residenz aus. Später bekam das Schloss ein aufwendiges Torhaus, erbaut von Arnold von Westfalen, der den Renaissance-Schlössern Sachsens von Rochlitz über Meißen bis Dresden ihr Gesicht gab. Im 16. Jahrhundert verpflichteten die sächsischen Kurfürsten italienische Meister, um die Anlage noch größer und repräsentativer zu machen. Doch vieles davon brannte 1701 ab und wurde daraufhin durch barocke Gebäudeteile ersetzt. Als die Könige von Sachsen um 1900 das 800-jährige Bestehen ihrer Dynastie feierten, bauten sie wieder um. Damals im Geschmack der Zeit, der Neorenaissance bevorzugte.

Doch dieser Bau stand nicht lange. Bei den Luftangriffen auf Dresden am 13. Februar 1945 brannte das Schloss nieder. Die Dächer aus Zinn erschmolzen im Feuer, der Hausmannsturm verlor seine Spitze, er wurde kurz nach dem Krieg notdürftig abgedeckt. Erst 1991 bekam der Turm seine standesgemäße Spitze zurück.

In den 80er-Jahren, als die Semperoper wiederaufgebaut und eröffnet worden war, begannen auch die Arbeiten am gegenüberliegenden Residenzschloss. Bis zur Wende war aber nur ein Flügel des weitläufigen Baus halbwegs fertiggestellt.

2004 war immerhin so viel fertig, dass die Kunstbibliothek und das Kupferstichkabinett einziehen konnten. Auch das Neue Grüne Gewölbe fand seine Heimat im Schloss. Zwei Jahre später eröffnete im Erdgeschoss die Schatzkammer des Historischen Grünen Gewölbes wieder. Bis 2010 waren auch die Fürstengalerie, die Englische Treppe und die Türckische Cammer wiederhergestellt.

Bis Ende 2016 wurden 316 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudekomplexes gesteckt. Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU), sonst so sparsam, findet das nicht zu viel. Handelt es sich doch hier um "ein Baudenkmal von höchster kulturhistorischer Bedeutung und ein identitätsstiftendes Bauwerk für die Sachsen". Der Wiederaufbau, sagt Unland, sei eine Herzensangelegenheit für die Staatsregierung.

Auch die Handwerker müssen bei so einem Projekt mit dem Herzen dabei sein. Es müssen Ballsäle vergoldet und Decken bemalt werden - das ist baukünstlerisch höchst anspruchsvoll. Allein der Kleine Ballsaal, der 2018 fertig sein soll, wird mehr als sechs Millionen Euro kosten.

Der Restaurator und Vergolder Kay Mehner arbeitet im Kleinen Ballsaal im Residenzschloss.
Der Restaurator und Vergolder Kay Mehner arbeitet im Kleinen Ballsaal im Residenzschloss. FOTO: dpa