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Dresden feiert hinter Barrikaden

Unter anderem massive Betonblöcke sollen für mehr Sicherheit in der Dresdner Innenstadt sorgen.
Unter anderem massive Betonblöcke sollen für mehr Sicherheit in der Dresdner Innenstadt sorgen. FOTO: dpa
Dresden. In Dresden strebt der Festungsbau dem Höhepunkt zu. Die immensen Sicherheitsvorkehrungen haben guten Grund: Erst am Donnerstag fand sich in der City eine vermeintliche Bombe. Wenn auch eine falsche. Christine Keilholz / ckz1

Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes stießen am Donnerstagnachmittag neben der Marienbrücke auf eine Sprengsatz-Attrappe. Die Sicherheitsleute fanden eine Plastiktüte an einem der Brückenpfeiler, sie enthielt Gläser, aus denen mehrere Drähte ragten, teilte die Dresdner Polizei mit. Spezialisten des Landeskriminalamts erkannten den Apparat als eine Attrappe, die nicht funktionsfähig war.

Ob der Fund im Zusammenhang mit den Anschlägen vom Montagabend steht, prüft die Polizei noch. Es könnte sich auch um Trittbrettfahrer handeln. Der Fundort in Dresden-Friedrichstadt ist nicht weit entfernt vom Congress Center (ICC), wo am Montag eine der Bomben explodierte. Seit Dienstagmittag ist Dresden im Ausnahmezustand, seitdem gilt der Kontrollbereich in der Innenstadt. Polizeipräsident Kretzschmar hatte die Kontrollen nach den Anschlägen auf eine Woche ausgedehnt. Zu Spitzenzeiten sollen 2600 Polizisten im Einsatz sein - darunter an die 100 Wachpolizisten. Kretzschmar setzt auf sogenannte Interventionsteams, die mit Maschinenpistolen und Schutzausrüstung als schnelle Eingreiftruppe für den Ernstfall parat stehen.

Für die drei Festtage von Sonnabend bis Montag rechnet Dresden mit 750 000 Gästen. 100 Hektar Stadtraum sind als Einsatzgebiet eingekreist. Um das Bürgerfest abzusichern, zieht die Polizei fast vier Kilometer Sperrlinie in der Innenstadt. 1400 riesige Betonsteine - Kretzschmar nennt sie Nizza-Blocker - sollen Fahrzeuge vom bunten Treiben fernhalten. Trotz dieses Festungsbaus sei die Haltung der Dresdner zum Einheitsfest "überwiegend von Vorfreude geprägt", betont Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP).

Im ICC lädt am Montagnachmittag Bundespräsident Joachim Gauck zu einem Bürgerempfang. Es ist einer der wichtigen Protokolltermine an diesem Tag in der Stadt. Zuvor wird Gauck sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen und am Gottesdienst in der Frauenkirche sowie am Festakt in der Semperoper teilnehmen. Erwartet werden neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch die Chefs der Länder und Vertreter der Landtage.

Am Nachmittag gibt Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) die Ratspräsidentschaft weiter an die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD). Der symbolische Amtswechsel wird im Zelt des Bundesrats auf dem Altmarkt vollzogen. Dreyer wird am 14. Oktober 2016 zur neuen Bundesratspräsidentin gewählt.

Für Tillich bedeutet das Fest den Höhepunkt seiner Bundesratspräsidentschaft. Da böte sich doch Gelegenheit, das zuletzt so verdüsterte Image des Freistaats wieder aufzuhellen. Er will an den drei Feiertagen "neue Brücken in die Welt" bauen, sagt Tillich. Und er will Sachsen als ein "modernes, gastfreundliches und innovatives Bundesland im Herzen Europas" präsentieren. Noch am Montag hatte Tillich erklärt, er werde sich das Fest nicht "von irgendwelchen Minderheiten" vermiesen lassen. Dann explodierten die beiden Bomben vor der Tür einer Moschee und vor dem ICC. Noch ist nichts über Täter und Motiv bekannt.

Trotz der angespannten Lage will Dresden für den Einheitstag keine Demonstrationen einschränken. Polizeipräsident Kretzschmar geht davon aus, "dass wir das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gewährleisten können". Angekündigt ist für den 3. Oktober eine Demo der Linken mit 1000 Teilnehmern. Für die Pegida-Bewegung rechnet die Polizei an diesem Montag mit 2500 bis 3000 Anhängern. Die Splittergruppe rund um die Ex-Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling wird wohl mit 200 Leuten vertreten sein.