ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:55 Uhr

Open Air an der Elbe
Wie der Elektro-Sonntag nach Dresden kam

FOTO: LR / Anja Hummel
Dresden. DJ Gunjah hat das Konzept vor zwölf Jahren nach Dresden gebracht: das Elektrofestival am Sonntag. Der Wochentag ist längst nicht die einzige Besonderheit der Click Clack-Party. Von Anja Hummel

Von Anja Hummel

Es ist Sonntag, Mitte Juli, kurz vor sechs Uhr abends. Markus Rätz ist lässig unterwegs, quatscht, lacht und spielt seit Mittag den „Winke-August“, wie er selbst sagt. Der 42-Jährige sitzt auf dem Sofa, vor ihm griffbereit ein kühler Gin Tonic. Aber Rätz sitzt nicht lange, Kollegen laufen vorbei, es gibt Handshakes, Umarmungen, den üblichen Zehn-Sekunden-Talk. Sein Gesicht kennt hier jeder. Seine Musik auch. Während Rätz im Backstage den „Winke-August“ spielt, feiern unten im Sand 3000 Menschen zu elektronischer Musik. Fragt man ihn, was er mit der ganzen Sache zu tun hat, sagt er simpel: „Ich hab’s erfunden.“

Markus Rätz ist DJ. Als „Gunjah“ legt er seit mehr als zwei Jahrzehnten „straighten Elektro“ auf. Weltweit, sagt er. Vor zwei Tagen war er auf dem Feel-Festival, gestern in Saarbrücken. Ein Facebook-Check der Upcoming Gigs zeigt: In ein paar Tagen legt er mit Fritz Kalkbrenner auf, im August ist er auf dem Sonne Mond Sterne-Festival.

Der Hype kam aus dem Westen

Jetzt aber sitzt Gunjah hier, in seiner Heimatstadt, direkt an der Elbe. In ein paar Stunden stellt er sich selbst an die Decks. Es ist Click Clack-Zeit. Es ist Zeit für Dresdens ältestes Sonntags-Elektro Open-Air.

In Gunjahs Büro hängt es noch, das „Zeitdokument“. Das Plakat vom ersten Click Clack. Das war 2008. Kalkbrenner war dabei. Und das Konzept ging auf. Bis heute, sagt Gunjah.

„Damals gab es Sonntags tagsüber immer solche Veranstaltungen, aber nur im Westen, bestenfalls in Berlin. Raven am Sonntag, das war so ein neuer Hype. Dann dachte ich mir, das kann man doch auch mal in Dresden machen.“ So’ne Spinnerei, So’n Quatsch - die Zweifler standen schnell auf der Matte. „Klar hat man sich gefragt, wie kann denn sonntags Techno funktionieren? Das ist doch so ein Dark-Ding.“ Gunjah hat’s trotzdem gemacht. „Alle in Dresden haben mich damals für verrückt erklärt. Aber es ist aufgegangen, es hat sich etabliert.“ Was er nicht verschweigt: „Anfangs gab es das Click Clack zwei Mal im Jahr. Das war dann doch too much für Dresden. Einmal reicht.“

Außergewöhnliche Location

Aber der Veranstaltungstag selbst ist nicht die einzige Click Clack-Besonderheit. „Guck’s Dir an, wir sind mitten in der Innenstadt. So ein Techno-Event in dieser Größe zwischen den Häusern. Von hier sieht man die Semperoper, die Frauenkirche, Du bist direkt an der Elbe.“ So ist es. 3000 Menschen tanzen am Citybeach, chillen auf den Strandliegen, trinken Cocktails, Bier, Wasser und genießen die Dachterrassen-Aussicht. Click Clack wurde am Citybeach geboren, Click Clack ist immer noch hier.

Und Gunjah auch. Was ihm an der Elbstadt gefällt? „Es ist ganz simpel hier. Man geht aus der Tür raus und in den Club rein. Ohne viel Alarm.“ An der Elbe hat Gunjahs DJ-Karriere angefangen. Dresdens Elektroszene? „Die ist natürlich ganz ganz klein. Aber das Publikum ist dankbar.“ Der Click Clack-Erfolg ist ein Beweis dafür.

Der Gin Tonic ist alle, Gunjah steht auf. Er muss weitermachen, er ist der Veranstalter. Noch ein bisschen Winke-August spielen und dann endlich selbst ans Deck. Sein Set feiern lassen von zehn bis Mitternacht. Am Sonntag. In Dresden.

Auch in der Lausitz gibt’s Elektro

2012 war das Techno-Open Air auch schon mal in der Lausitz. Location war damals die Slawenburg Raddusch. Ansonsten gibt es in und um Cottbus jede Menge Open Air-Angebote - wie die Sommerhighlights zeigen. Mit Feel-Festival am Bergheider See, Break the Rules-Festival am Bärwalder See, dem Artlake und dem Wilde Möhre-Festival bei Drebkau ist auf jeden Fall auch etwas für Freunde elektronischer Musik dabei.

„Click Clack“ an der Elbe FOTO: LR / Anja Hummel