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| 01:10 Uhr

Drei Lichtinstallationen widerspiegeln Menschwerdung

Noch etwa 170 Tage, dann schließt am Jahresende das Grüne Gewölbe im Dresdner Albertinum seine Pforten. Zuvor aber wird heute Abend zur Museums-Sommernacht noch einmal ein Besucheransturm erwartet. Elf Monate nach der großen Flut wollen sämtliche 40 Museen der Stadt bis nachts ein Uhr zeigen, dass ihre Schätze wieder „in trockenen Tüchern“ sind, wie das Motto der Veranstaltung verrät. Von ralf hübner

"Wir packen ein", heißt es hingegen beim Grünen Gewölbe. Die Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten und Könige verlässt das Albertinum, die Umzugskisten stehen bereit. Für Museumsdirektor Dirk Syndram ist dieser Abschied kein Grund zu trauern. Seit 1974 ist das Museum in seiner jetzigen Gestalt zu sehen. Nun will sich das Grüne Gewölbe, die Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten und Könige, dreißig Jahre später, im Sommer 2004, wieder in seinen angestammten Räumen im ersten Obergeschoss im Westflügel des wieder aufgebauten Dresdner Residenzschlosses in moderner Präsentation zeigen. In der Museums-Sommernacht wird es nicht an Hinweisen auf den bevorstehenden Umzug fehlen. "Das Grüne Gewölbe war eine sehr mobile Sammlung", sagt Syndram, Umzüge waren keineswegs ungewöhnlich . August der Starke mochte bei seinen Aufenthalten in Warschau oder Krakau auf den gewohnten Prunk nicht verzichten, die Dresdner Schätze mussten mithin gleich an mehreren Höfen für königlichen Glanz sorgen. Damit die wertvollen Stücke die Reise heil überstanden, fertigten Handwerker Etuis aus Holz und feinem Leder als schützende Hülle, die für sich genommen schon kleine Kunstwerke sind. Von den einst 500 Etuis sind noch 300 erhalten, die auch beim jetzt anstehenden Umzug wieder Verwendung finden sollen. Einige dieser Etuis werden nun in der Museums-Sommernacht zu sehen sein und an das einst unruhige Dasein der Kunstschätze erinnern.
Neu in der diesjährigen Museums-Sommernacht ist das so genannte
"Imaginäre Museum", eine Lichtinstallation an drei Stellen der Stadt, die verschiedene Aspekte der Menschwerdung widerspiegeln soll.
Vor dem Japanischen Palais, wo das Landesmuseum für Vorgeschichte mit einer Sammlung griechischer Fischteller einem kulinarischen Thema widmet, wo an das alten Ägypten und an ein längst entschwundenes Burgenland zwischen Weichsel und Elbe erinnert wird, soll die Installation an Feuer, Sonnenball und Drachen erinnern, an das Zentrum schöpferischer Kraft. Auf dem Theaterplatz, vor der Rüstkammer des Zwinger, dem Ort historischer Harnische und Panzerungen geht es um Symbole der Macht, um Eros, Stolz und Eitelkeiten und, ganz nebenbei, um das Hufeisen, das August der Starke zerbrochen haben soll.
Am dritten Standort, dem Verkehrsmuseum, das einer aktuellen Sonderausstellung an 150 Jahre Polizeidirektion Dresden erinnert, an Kriminaltechnik und Fingerabdrücke, will die Installation den Wettlauf mit der Zeit, die Überwindung von Raum und Zeit darstellen. Zu den nicht täglich sichtbaren Orten der Museums-Sommernacht gehört der 300 Meter lange historische Fernwärmekanal unter der Brühlschen Terrasse und die unter Denkmalschutz stehende Untermaschinerie im Schauspielhaus.
Ebenfalls unter der Brühlschen Terrasse befinden sich die Reste der einstigen Festung Dresden, wo die Besucher von Kurfürstin Anna und Festungshauptmann Melchor Hauffe in Empfang genommen werden.