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Drallewatsch nicht nur bei Sachsen beliebt

Geht der Leipziger auf den Drallewatsch, will er auf den Schwof gehen und etwas erleben. Drallewatsch heißt eine Kneipenmeile in der Altstadt, die sich nicht nur bei den Sachsen immer größerer Beliebtheit erfreut. Von sabine fuchs

Abend für Abend sind an diesen tropischen Sommertagen die Straßenrestaurants auf Plätzen und in den historischen Gässchen - von der Großen Fleischergasse über Barfußgäßchen und Thomaskirchhof bis zum Burgplatz am neuen Rathaus - rappelvoll. "Das Flair ist wie in Südeuropa", meint eine Touristin aus Frankfurt am Main, die sich am Marktplatz einen Schoppen Wein gönnt.
Mehr als 40 Gaststätten, oft legendenumwoben, zeugen auf dem Drallewatsch von Leipzigs Gastlichkeit, sagte Gästeführerin Christa Schwarz, die auch Führungen über die Kneipenmeile im Programm hat. In der warmen Jahreszeit gehöre solch ein Bummel zum absoluten Muss, wenn man den Puls dieser Stadt spüren will. Biergärten und Straßencafés wechselten einander ab und jedes Lokal habe andere Spezialitäten zu bieten.
Der Drallewatsch sorgt jedoch nicht nur für das leibliche Wohl seiner Gäste, auch Kultur wird reichlich geboten. So laden Konzerte am Bachdenkmal zum Verweilen ein und das dienstälteste Kabarett vor Ort, die Leipziger Pfeffermühle, wartet mit Satire auf.
Auch drei Museen hat der Drallewatsch zu bieten. So lädt das Kaffeemuseum mit dem ältesten noch in Betrieb befindlichen Kaffeehaus Deutschlands "zum Schälschn Heeßen", und der Besucher erfährt die eine oder anderen Geschichte der "Kaffeesachsen" und des "Bliemchengaffees", eines besonders dünnen Auszuges aus den braunen Bohnen. Das Sächsische Apothekenmuseum am Thomas-Kirchhof lässt den Besucher nachvollziehen, wie früher die Pillen gedreht wurden. Das Bachmuseum im Bosehaus lockt jährlich Zehntausende, die mehr über das Leben des großen Komponisten wissen wollen.
Selbst Immobilienspekulant Jürgen Schneider ist auf dem Drallewatsch gegenwärtig. Er hatte sich so manches Gebäude auf der Kneipenmeile zur Sanierung ausgesucht, zum Beispiel "Barthels Hof" - jenen Durchgangshof der Messe, den schon Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe während seiner Studentenzeit in Leipzig bewunderte.
Ohne Verein geht natürlich auch auf dem Drallewatsch nichts. So haben sich neun Gaststätten der Kneipenmeile zum "Drallewatsch-Verein" zusammengeschlossen. Dazu zählen der Zills-Tunnel, der Thüringer-Hof und der Ratskeller. Der Verein will unter anderen dafür sorgen, das Leben in die City kommt.
"Wir gehören zum Beispiel zu den Organisatoren des Kneipenfestivals Honky Tonk", sagt Schatzmeister Jan Woithon. Bei diesem Fest geht nicht nur auf dem Drallewatsch, sondern in ganz Leipzig die Post ab.