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Doppeltes Jubiläum am Sachsenring

Die traditionsreiche Rennstrecke wurde in den letzten Jahrzehnten verlegt und modernisiert.
Die traditionsreiche Rennstrecke wurde in den letzten Jahrzehnten verlegt und modernisiert. FOTO: dpa
Hohenstein-Ernstthal. Der Grand-Prix von Deutschland an diesem Wochenende lässt die Gegend rund um den Sachsenring wieder zum Motorrad-Mekka werden. Seit nunmehr 20 Jahren strömen Hunderttausende Fans zu diesem Großereignis an die berühmte Rennstrecke, die ihren 90. Anke Wieczorek

Geburtstag feiert.

Seine wechselvolle Geschichte macht den Sachsenring bis heute attraktiv. Er überstand alle politischen Epochen und wurde dadurch sogar noch stärker. Die Historie der legendären Rennstrecke reicht bis zum 26. Mai 1927 zurück. An diesem Tag wurde das Badberg-Viereckrennen gestartet, wie es damals hieß. Der endgültige Name Sachsenring wurde 1937 festgelegt.

Der Kurs wurde schnell Bestandteil internationaler Rennkalender. Weltberühmte Fahrer wie Giacomo Agostini, Mike Hailwood und "der Lange" Dieter Braun gaben sich die Ehre. Der Schwabe erinnert sich bis heute an seinen WM-Sieg im Jahr 1971 in der 250er-Klasse: "Es war mein schönstes Rennen in Sachsen und die Zuschauerkulisse gigantisch. Über 300 000 Fans waren da, und als Westdeutscher wurde ich zu Zeiten des Eisernen Vorhangs wie ein Held gefeiert."

Von 1973 an ließ die DDR-Regierung nur noch Teilnehmer aus den sozialistischen Bruderländern auf die Strecke. Erst 1990, als die Grenzen des Landes geöffnet waren, durften wieder alle fahren. Aber nur für ein Jahr. Die Streckenführung direkt durch die Stadt Hohenstein-Ernstthal war zu gefährlich geworden. Innerhalb einer Saison gab es drei Tote.

Neue Möglichkeiten eröffnete der Bau eines Verkehrssicherheitszentrums, das auf einem Teilstück des Ringes errichtet wurde und aus dem seit 1996 bei Bedarf eine Rennstrecke gemacht wird. Sie tangiert den öffentlichen Verkehr nicht mehr. 1998 kehrte auch der Grand-Prix-Zirkus auf den Sachsenring zurück. Er sorgt immer für ein volles Haus und ist mit mehr als 210 000 Fans das zuschauerstärkste Sportevent in Deutschland.

1997: Nach langen Verhandlungen mit dem Rechteinhaber Dorna ist es beschlossene Sache, dass die Motorradweltmeisterschaft 1998 auf den Kurs zurückkehrt.

1998: Marco Melandri gewinnt das Rennen in der 125-Kubikzentimeter- Klasse, Valentino Rossi feiert einen Sieg in der 250-ccm-Klasse, und der Australier Mick Doohan ist der Star in der 500-ccm-Königsklasse. Zum Comeback der Motorrad-WM auf dem neuen Sachsenring kommen 140 000 Zuschauer.

1999: Ralf Waldmann sorgt in der 250-ccm-Klasse für einen deutschen Podiumsplatz. "Waldi" wird mit seiner Aprilia auch als Drittplatzierter gefeiert wie ein Sieger.

2001: Mit der Norderweiterung des Ringes werden Kritikpunkte beseitigt, die Strecke ist jetzt über 3,6 km lang. Statt 18 gibt es nur noch 14 Kurven, es kann mehr Vollgas gegeben werden.

2002: Der Bann ist gebrochen. Mit Steve Jenkner fährt ein echter Einheimischer auf den dritten Platz in der kleinen 125-ccm-Klasse.

2008: Stefan Bradl lässt die deutschen Fans mit dem dritten Platz in der ersten Startreihe auf einen Podestplatz hoffen, und im 125-ccm- Rennen legt der Aprilia-Fahrer aus Zahling noch einen drauf. Er wird Zweiter.

2010: Die traditionsreiche deutsche Motorradmarke MZ kehrt nach langer Abstinenz in die Weltmeisterschaft zurück. Mit dem Australier Anthony West in der neugeschaffenen Moto2-Klasse machen sich die Sachsen auch Hoffnungen auf die Rückkehr früherer Erfolge. West gelingt beim Heim-Grand-Prix des MZ-Werkes ein 13. Platz.

2011: MZ baut das Engagement aus und verpflichtet den deutschen Hoffnungsträger Max Neukirchner an der Seite von West. Doch die Erfolge kehren damit nicht zurück. Dafür kommt die Karriere von Sandro Cortese ins Rollen. Der Deutsche mit italienischen Wurzeln fährt in der kleinsten Hubraumklasse als Dritter aufs Podium.

2011: Der inzwischen in die höhere Moto2-Klasse aufgestiegene Stefan Bradl wird Zweiter auf dem Sachsenring und zum Saisonende Weltmeister.

2012: Sandro Cortese gewinnt den WM-Lauf in der Moto3-Klasse. Nach Ernst Degner (1961) und Dieter Braun (1971) gelingt dem Berkheimer als drittem nationalen Motorradfahrer überhaupt ein WM-Sieg auf dem Sachsenring. Am Jahresende wird Cortese Weltmeister.

2016: Nur 0,059 Sekunden trennten den Bayern Jonas Folger vom Sieg in der Moto2-Klasse. Der Schwindegger musste sich noch dem Franzosen Johann Zarco geschlagen geben. Aber sein Erfolg ebnete ihm den Weg in die MotoGP.