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Die Straße nicht den Hetzern überlassen

In der Frauenkirche wurde gestern Abend der sächsische Bürgerpreis verliehen.
In der Frauenkirche wurde gestern Abend der sächsische Bürgerpreis verliehen. FOTO: dpa
Dresden. Einen Tag nach der Jubiläumskundgebung der fremdenfeindlichen Pegida hat sich Dresden gestern bei einem Bürgerfest als weltoffene Stadt präsentiert. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat die Bürger aufgerufen zu zeigen, "dass Dresden eine Stadt ist, in der trotz aller Unterschiede achtsam und respektvoll miteinander umgegangen wird". Simona Block

Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat die Dresdner aufgerufen, sich gegen ein in den vergangenen Monaten entstandenes Zerrbild der Stadt zu wehren. "Wir müssen einen Weg finden, der mehr ist als Demonstrationen und Gegendemonstrationen Woche für Woche auf der Straße", sagte Hilbert bei einem Bürgerfest unter dem Motto "Dresden zeig Dich!" vor mehreren Tausend Menschen an der Frauenkirche. Die Mehrheit müsse wieder offen und glaubwürdig zeigen, "wofür wir stehen", appellierte er in Anwesenheit von Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). "Wir dürfen die Straße nicht denen überlassen, die sie für Hetze und Rassismus missbrauchen."

Hilbert warb zugleich für Gespräche in der Stadt, um Vorurteile und Ängste voreinander abzubauen. Die Dinge dürften nicht einfach so hingenommen werden, "wie sie sich jetzt Montag für Montag präsentieren", erklärte er unter Verweis auf das islam- und fremdenfeindliche Pegida-Bündnis. "Diese selbst ernannten Patrioten haben sich als das entpuppt, was sie in der Spitze sind: Gegner unserer Demokratie und unseres Staates."

Fünf Initiativen sind am Abend mit dem Sächsischen Bürgerpreis 2016 geehrt worden. Freistaat und Stiftung Frauenkirche würdigten diesmal den Einsatz für Jugendliche, Flüchtlinge und Kinder aus sozial schwachen Familien sowie für Kranke und die Beschäftigung mit Mathematik. "Mit ihrem Engagement sorgen sie dafür, dass unsere Zivilgesellschaft abwehrstark ist gegen den Populismus und dessen simple Botschaften", sagte Tillich bei der Verleihung in der Frauenkirche. "Es bleibt dabei: Eine kleine Minderheit, auch eine laute, bleibt eine kleine Minderheit", mahnte er mit Blick auf die Pegida-Bewegung. Für die zum sechsten Mal vergebene Auszeichnung waren 118 Vorschläge aus den Landkreisen und kreisfreien Städten eingegangen. Zu den Preisträgern zählen die "Betreuungslotsen", die straffällig gewordene Jugendliche unterstützen, eine Gruppe Jugendlicher, die Flüchtlingen Sprache und Kultur nahebringt, ein Bücherdienst für kranke und behinderte Menschen oder der Adam-Ries-Bund aus Annaberg-Buchholz, der jährlich einen mathematischen Schülerwettbewerb ausrichtet. "Sie sind ein Segen für uns alle", lobte Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt. "Großherzig statt kleinmütig, fürsorglich statt selbstbezogen, idealistisch statt realitätsverdrossen setzen sie sich für die Gemeinschaft ein."