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| 16:13 Uhr

Polizisten wehren sich gegen Kritik nach Merkel-Besuch
„Die sächsische Polizei ist kein Erfüllungsgehilfe“

In den Sozialen Medien schlägt ein Video zum Polizei-Einsatz in Dresden hohe Wellen.
In den Sozialen Medien schlägt ein Video zum Polizei-Einsatz in Dresden hohe Wellen. FOTO: Screenshot Twitter Journalistenv
Dresden. Polizisten sollen TV-Reporter beim Merkel-Besuch vor ein paar Tagen in Dresden behindert haben. Die Wellen schlagen hoch, von einem Eingriff in die Pressefreiheit ist die Rede. Nun melden sich die Gescholtenen zu Wort.

Die Kritik am Vorgehen der Polizei gegen Journalisten beim jüngsten Dresden-Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält an. So sprachen der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Deutsche Journalisten-Union (dju) am Montag von einem schwerwiegenden Eingriff in die Pressefreiheit und forderten „lückenlose Aufklärung“. Der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) und Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar wiesen im Gegenzug die Vorwürfe der Behinderung von Reportern sowie einer Kooperation der Polizei mit Pegida-Demonstranten gegen die Presse am Montag klar zurück.

„Die sächsische Polizei ist weder Handlanger noch Erfüllungsgehilfe von Parteien, Gruppen oder einzelnen Versammlungsteilnehmern“, sagte Wöller. Der Fall werde genau geprüft und das Handeln der Beamten bewertet. Polizisten sorgten für Recht und Ordnung und setzten den Rechtsstaat durch, inklusive Presse- und Versammlungsfreiheit. Dresdens Polizeipräsident Kretzschmar verwies darauf, dass Strafanzeigen „keinen Ermessungsspielraum“ gelassen hätten. „Vor diesem Hintergrund distanziert sich die Dresdner Polizei in aller Deutlichkeit von dem erhobenen Vorwurf.“

Nach Angaben des ZDF war ein Kamerateam, das am vergangenen Donnerstag im Auftrag des Senders für das Magazin „Frontal 21“ unterwegs war, verbal von Pegida-Demonstranten angegriffen und dann etwa eine Dreiviertelstunde von der Polizei festgehalten worden. Chefredakteur Peter Frey wertete dies als „eine klare Einschränkung der freien Berichterstattung“.

Nach bisherigen Erkenntnissen gab es laut Polizei zwischen einem Dresdner und dem TV-Team Streit um die Rechtmäßigkeit der Filmaufnahmen von Teilnehmern einer Versammlung, die auf dem Weg zu einer Demonstration waren. Um die Lage nicht eskalieren zu lassen, trennten nach Darstellung der Polizei Beamte die Lager und bemühten sich um Klärung. Dabei zeigte der 43-Jährige einen der Journalisten wegen Beleidigung an, woraufhin der Reporter nachzog.

„Die Feststellung der Identität aller Beteiligten war unumgänglich“, betonte Kretzschmar unter Verweis auf das Legalitätsprinzip, nachdem die Polizei bei einer möglichen Straftat zu Ermittlungen in alle Richtungen und ohne Ansehen der Person verpflichtet sei. Nach seinen Angaben hat das „Frontal 21“-Team seine Einladung zum Gespräch angenommen.

„Das ist ein durch nichts zu rechtfertigender Eingriff in die Pressefreiheit“, erklärte DJV-Chef Frank Überall in Berlin. Für dju-Geschäftsführerin Cornelia Haß ist es „erschreckend und beunruhigend“, dass die „systematische Verletzung der Rechte“ von Journalisten bei Großveranstaltungen mittlerweile offenbar „alltägliche Routine“ sei. Die Polizei habe sich „von pöbelnden Wutbürgern vor den Karren sperren lassen, anstatt die Reporter vor den Angreifern zu schützen, damit sie ungehindert ihren Auftrag der Berichterstattung erfüllen können“.

Der DJV lud Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Innenminister Wöller ein, das „offenbar gestörte Verhältnis“ der Polizei zu Journalisten auf seinem Verbandstag am 4. November in Dresden zu erklären. Haß verlangte ein „deutliches Bekenntnis von Politik und Polizei zu Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“.

Der SPD-Innenexperte im sächsischen Landtag, Albrecht Pallas, plädierte für eine vorurteilsfreie Aufklärung der Vorfälle. „Eine Untersuchung muss klären, ob die Polizei richtig gehandelt hat, ein entsprechender Anfangsverdacht bestand und die Polizei gezwungen war, zu ermitteln“, sagte er. Klar sei, dass weder Polizisten noch Journalisten über dem Gesetz stehen. „Daher sollte es keine Vorverurteilungen geben - aber eben auch keinen Freifahrtschein.“

(dpa/bob)