ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:31 Uhr

Sachsen
Die Moderne und ihre eigene Ästhetik

 Der Neufert-Bau in Weißwasser gehört zu den Bauten der Nachkriegsmoderne in Sachsen. Besichtigt werden kann die frühere Lagerhalle für Glaserzeugnisse am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals von 15 bis 17 Uhr. Im Frühjahr war mit dem Start der Feierlichkeiten zu 100 Jahre Bauhaus in Weißwasser eine Informationsstele am Neufert-Bau eingeweiht worden. Seitdem gibt es auch immer wieder Führungen zu dem Thema.
Der Neufert-Bau in Weißwasser gehört zu den Bauten der Nachkriegsmoderne in Sachsen. Besichtigt werden kann die frühere Lagerhalle für Glaserzeugnisse am Sonntag beim Tag des offenen Denkmals von 15 bis 17 Uhr. Im Frühjahr war mit dem Start der Feierlichkeiten zu 100 Jahre Bauhaus in Weißwasser eine Informationsstele am Neufert-Bau eingeweiht worden. Seitdem gibt es auch immer wieder Führungen zu dem Thema. FOTO: Christian Köhler
Dresden. Sachsen hat eine besonders reiche Denkmallandschaft. Das bauliche Erbe ist unverzichtbar für die Identitätsbildung. Auch darum fließen Milliarden in die Erhaltung, erläutert der Landeskonservator. Am Sonntag ist Tag des offenen Denkmals. Von Simona Block

Sachsens Landeskonservator Alf Furkert sieht Denkmalpflege und Denkmalschutz weiterhin herausgefordert. „Seit 1990 ist schon viel geschehen, aber es harren auch noch etwa ein Drittel aller Denkmale der Sanierung“, sagte er vor dem Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag. Landesweit sind 800 Objekte geöffnet, darunter wie immer auch sonst nicht zugängliche Areale. Unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ stehen im Zuge des Bauhaus-Jubiläums auch revolutionäre Ideen und technischer Fortschritt im Fokus.

Die Mischung von Bauten der Moderne und früherer Epochen macht für Furkert den besonderen Reiz aus. „Es ist oft schwer, Denkmalwürdiges aus seiner eigenen Lebensumwelt zu erkennen, wie die Nachkriegsmoderne in Ost und West. Mit Abstand ist die kulturhistorische Bedeutung sichtbarer“, sagte er. Dazu komme, dass Denkmäler früherer Bau­epochen wie Schlösser und Burgen durch gewisse romantische Vorstellungen die Seele ansprechen. „Am Sonntag wird man sehen, dass Moderne nicht heißt, kein Dekor oder Schmuckelement, sondern dass sie eine eigene Ästhetik auszeichnet.“

Ein Beispiel ist laut Furkert die ehemalige Teigwarenfabrik von Fritz Schminke in Löbau, in der auch die landesweite Eröffnung stattfindet. Die Stadt hat das verfallende Industrieareal erwerben können, nun könne „die Einheit von Fabrik und Wohnhaus baulich wiederhergestellt werden.“ Die Fabrik sei die wirtschaftliche Grundlage für den Bau der als Haus Schminke weltbekannten Villa gewesen. Das in den Jahren 1932 und 1933 nach Plänen von Architekt Hans Scharoun entstandene Gebäude ist eines der vier weltweit wichtigsten Wohnhäuser der Klassischen Moderne – und auch die Fabrik trägt in einigen Details dessen Handschrift.

Die jährlich große Resonanz auf den bundesweiten Tag des offenen Denkmals, der zur Spurensuche einlädt, zeugten vom hohen Interesse an den Bauten der Vergangenheit, sagte Furkert. Dem entspreche auch das Bewusstsein seitens öffentlicher und privater Eigentümer. Ohne deren wirtschaftliches Engagement und Bindung an die Heimat sei die reiche Denkmallandschaft nicht zu erhalten. „Wenn man stolz sein möchte auf Altstadtkerne und eine historische Umgebung, dann muss man Ja sagen zum Denkmalschutz.“ Im ländlichen Raum und in kleineren Städten sei das oft schwierig. „Historisches und damit Identität in ihrer Kontinuität zu bewahren, ist aber auch eine große Herausforderung“, sagte Furkert, der Architekt ist.

Viele Denkmale könnten durch angemessenes Weiterbauen nutzbar gemacht werden, trotz der Anforderungen an Brandschutz oder Energieeffizienz. „Da muss man manchmal ein bisschen Mut beweisen, auch seitens der Denkmalpflege Dinge zulassen und sich ihnen öffnen.“ Und es brauche bei leerstehenden innerstädtischen Denkmälern einen flexibleren Umgang mit den Anforderungen, um sie zu erhalten und zu retten. Das sei auch immer eine Frage der wirtschaftlichen Umsetzung, aber für den denkmalbedingten Mehraufwand gebe es Abschreibungs- und Fördermöglichkeiten. „Unterm Strich muss es nicht teurer sein“, sagte Furkert. „Und die Geschichte und Aura sind sowieso ein Gewinn.“