ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:39 Uhr

Die Elbe steht im Stau

Ein tschechisches Frachtschiff vom Heimathafen Decin fährt voll beladen auf der Oberelbe in Dresden Richtung Hamburg.
Ein tschechisches Frachtschiff vom Heimathafen Decin fährt voll beladen auf der Oberelbe in Dresden Richtung Hamburg. FOTO: dpa
Dresden. Trotz aller Bedenken will Tschechien eine weitere Staustufe in die Elbe bauen. Aber von den neuen Plänen hält Sachsen so wenig wie von den alten. Christine Keilholz

Die Pläne zum Bau der Staustufe haben die tschechischen Behörden nun zwar nochmals überarbeitet - soweit das Neue. Aber auf sächsischer Seite bleibt alles beim Alten: Die Bedenken bleiben schwer. Insoweit hatte Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) am Dienstag in Dresden wenig Spektakuläres zu berichten. Man habe über die Jahre nun schon die vierte oder fünfte Stellungnahme zu dem umstrittenen Bauprojekt geschrieben, sagte er. Trotzdem hat sich "grundsätzlich nichts geändert". Die entsprechende Stellungnahme zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung ging Ende vergangener Woche fristgerecht beim Umweltministerium in Prag ein.

Große Umweltauswirkungen

Sachsen hält grundsätzlich wenig davon, dass Tschechien die Elbe bei Decin stauen will. Das hat Schmidts Amtsvorgänger Frank Kupfer (CDU) zuletzt 2012 in einer Stellungnahme klargemacht. Die geplante Staustufe soll zwar elf Kilometer vor der sächsischen Grenze entstehen, hätte aber flussabwärts gravierende Umweltauswirkungen. Aber da hat der überarbeitete Vorschlag aus Prag wenig an Verbesserungen zu bieten, meint Schmidt.

Zwar sind für wandernde Fische inzwischen Fischtreppen an der Staustufe vorgesehen, aber die führen nur aufwärts, nicht abwärts. Der Fischbestand hat sich zwar in den letzten Jahren erholt - auf tschechischer wie auf deutscher Seite. Wenn aber den Fischzügen ein weiteres Hindernis in den Weg gestellt wird, kann es wieder trübe werden im Lebensraum Elbe.

Besonders für geschützte Fischarten wie Neunauge, Lachs, Rapfen, Bitterling und Groppe. Sie können an Rechenanlagen hängen bleiben oder in die Turbinen geraten. Ihre Laichplätze könnten verschwinden oder unerreichbar werden. Der Nachweis, "in welchem Maße Ökosysteme und Arten im sächsischen Abschnitt der Elbe beeinträchtigt werden können", ist nach Ansicht Sachsens in den neuen Planungsunterlagen nicht erbracht.

Außerdem fordert die schwarz-rote Staatsregierung von den Tschechen eine Zusicherung, dass sich der Wasserzustand der Elbe auf sächsischem Gebiet nicht verschlechtern wird.

Die inzwischen geplante Renaturierung im Umfeld der Anlage wertet Schmidts Haus positiv. Trotzdem bleibt das Ungetüm im Wasser ein Hindernis, das Strömungsverhältnisse elbabwärts völlig auf den Kopf stellt.

Fachleute warnen

Die sächsischen Experten warnen deshalb in der Stellungnahme vor einer "hohen Wechseldynamik von Sedimentations- und Rücklösungsprozessen", wenn die Anlage denn einst im Dauerbetrieb laufen sollte. Aber ob die Staustufe wirklich kommt, ist durchaus fraglich. Prag verspricht sich davon mehr Schiffsverkehr, denn bislang fließt die Elbe oberhalb Sachsens eher flach. Zwar haben die deutschen Elbländer ein Wörtchen mitzureden, aber mehr als Bedenken äußern können sie nicht. Sachsen hat in der Sache kein Klagerecht, tippt aber in seiner Stellungnahme auf die Wasserrahmenrichtlinie der EU. Wenn das Staustufenprojekt die Umweltanforderungen aus Brüssel nicht erfüllt, werden kaum Fördermittel für den Bau fließen.

Zum Thema:
Staustufen sind Wasserbauwerke zum Aufstauen eines Flusses. Damit soll der Wasserstand flussabwärts oder auch flussaufwärts beeinflusst werden. Im Unterschied zu einem Staudamm sperrt eine Staustufe nicht die gesamte Breite des Flusstales ab, sondern nur den Fluss selbst. Oft werden für Staustufen Wehre verwendet, die auch beweglich sind. Hinzu kommt eine Anlage, mit der Schiffe geschleust werden können. In Tschechien verspricht man sich von der umstrittenen Staustufe in der Elbe bei Decin eine ganzjährige Befahrbarkeit des Flusses für Frachtschiffe. Gerade in den Sommermonaten kommt es wegen Niedrigwasser immer wieder dazu, dass die Schiffe im Hafen bleiben müssen. Mit der Staustufe will Tschechien den Wasserstand in solchen Zeiten auf einem konstanten Niveau halten. Kritiker ziehen das aber in Zweifel und verweisen auf negative Folgen für den Naturschutz.