Deutsches Spielemuseum Chemnitz verführt die Besucher
Das historische Stück befindet sich im Deutschen Spielemuseum Chemnitz - hinter Glas in einer Vitrine. Es ist eines von 500 Spielen aus fünf Jahrhunderten in der aktuellen Ausstellung. Am 11. März wird zudem eine Schau zu DDR-Spielen in dem Museum eröffnet, das jährlich rund 10 000 Menschen besuchen. Insgesamt stapeln sich rund 35 000 Spiele - vom Würfel bis zum Computer - in Museum, Spielbereich und Depot.
“Mensch ärgere Dich nicht„ gilt eindeutig als Favorit der Deutschen. “Das Spiel ist unsterblich„, sagt Museumschefin Cynthia Schönfeld. Im vergangenen Jahr wurde das Würfelspiel mit den kleinen blauen, roten, grünen und gelben Männchen 100 Jahre alt. Ein Exemplar steht fertig aufgebaut im Museum. “Wenn Kinder kommen, setzen sie sich spontan erst an diesen Tisch und fangen sofort an zu würfeln„, erzählt Schönfeld. Dabei locken in dem Raum auch rund 2500 moderne Spiele in gelben, blauen, braunen oder roten Schachteln. Denn Mitmachen und Ausprobieren sind hier ausdrücklich erwünscht.
Der Siegeszug von “Mensch ärgere Dich nicht„ begann in den Militärlazaretten des Ersten Weltkrieges. Dort vertrieben sich die Soldaten die Langeweile mit dem Würfeln. Wie die Ausstellung zeigt, sind daneben Mühle, Halma, Dame, Schach und deren unzählige Abwandlungen nicht aus der Mode gekommen. Und auch das Memory gab es schon, als es noch nicht so hieß. Ebenso waren Metall-, Holzbau und Chemiekästen bereits in der Generation der Urgroßväter beliebt. “So etwas gibt es schon sehr zeitig„, erklärt Schönfeld.
Makaber dagegen muten Exponate wie der Spielautomat “English Execution„ (Englische Hinrichtung) an. Wenn eine Münze in den Schlitz fällt, kommen gruselige Geräusche aus dem Gefängnisbau, das Licht hinter den Fenstern geht an und die Tür unten auf. “Da steht der Delinquent, die Schlinge um den Hals, die Falltür öffnet sich ... Erst wenn er gehenkt ist, geht die Tür wieder zu„, beschreibt Schönfeld das Prozedere. Dabei dienten diese Automaten um 1900 zur Belustigung.
“Die Spiele sind ein Spiegel der Zeit„, sagt sie. So zeugten Panzer und Flugzeuge eines schachähnlichen Strategiespiels der 1930er- Jahre und Bilder marschierender Soldaten auf Spieleverpackungen von der Aufrüstung in Deutschland. “Krieg war immer ein Thema, auch Krisen.„ In den 1940er-Jahren dann gab es Ausschneidebögen mit Nazigrößen wie Hitler, Göring und Goebbels in Uniform - als Hampelmänner. “Eine englische Kreation„, sagt die Museumschefin.
In Friedenszeiten wurde dann eine “Reise durch Sachsen„ gemacht, die Kinder spielten “Augen auf im Straßenverkehr„, Sandmann, Raumfahrt, Autorennen oder “Handelsschiffe auf den Weltmeeren„. Auch Hütchenspiele oder “Der Bunte Würfel„ waren beliebt. Die Erfindung der DDR-Spieleindustrie überdauerte auch die Zeitenwende. Inzwischen begeistern “Vampire der Nacht„, “Siedler von Catan„, oder “Rappel Zappel„. Der Renner aber ist “Rush Hour„, wo ein Auto irgendwie durch einen Verkehrsstau geschoben werden muss. “Manche spielen zwei oder drei Stunden hier, viele kommen öfter„, sagt Schönfeld. “Nicht nur Kinder, auch Erwachsene.„
Das Museum wurde 1986 von dem Sammler J. Peter Lemcke in Hamburg gegründet. 1995 zog die Sammlung nach Chemnitz, in einen mietfreien Neubau am Rande eines Gewerbeparks. Seitdem kamen nach Museumsangaben mehr als 185 000 spielfreudige Gäste und weitere 500 000 Menschen zog es in die rund 100 Ausstellungen im In- und Ausland.