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Der verschwundene Herr von Knoch

Herr von Knoch ist verschwunden. Der einstige Besitzer des Barockschlosses Rammenau lässt sich einfach nicht finden. Wie oft schon haben ganze Gruppen von Männern, Frauen und Kindern unter ortskundiger Führung durch die Kammerzofen des Schlosses nach ihm gesucht und dabei jeden Winkel des Schlosses durchstreift. Allein: Herr von Knoch ist nicht wieder aufgetaucht. Von Uwe Menschner

Vielleicht liegt es ja auch daran, dass Ernst Ferdinand von Knoch bereits im 18. Jahrhundert lebte. Im Jahre 1717 kaufte der Kammerherr von August dem Starken das Rittergut Rammenau. 1721 begann er mit dem Bau von Schloss und Garten im Stil des Barock. Sein Lebenstraum sollte Ernst Ferdinand von Knoch ins Unglück stürzen: 1744 floh er, wahrscheinlich aus Angst vor seinen Gläubigern, und ward nie wieder gesehen. Doch zweimal im Jahr lädt das Barockschloss noch heute zur Nachtführung "Auf der Suche nach Herrn von Knoch" ein.
Schon ein kurzer Blick auf die "schönste Landbarockanlage Sachsens" - so die Eigenwerbung des heutigen staatlichen Schlossbetriebes - macht glaubhaft, dass man sich an diesem Objekt finanziell überheben kann. Zwölf Millionen Euro investierte der Freistaat Sachsen seit dem Jahre 2002 in Schloss und Park. "Und weitere zwei Millionen werden in nächster Zeit folgen", weiß Roswitha Förster. Auf den ersten Blick scheint die Pracht im Inneren des Gemäuers grenzenlos. Über einen breiten Treppenaufgang gelangt der Besucher in das Obergeschoss, wo sich die restaurierten Zimmer wie Perlen an einer Kette aneinanderreihen. Bulgarisches Zimmer, Pompejanisches (oder Teufels-)Zimmer, Blauer Salon oder Jagdzimmer, Chinesisches Zimmer - jede einzelne dieser einzigartigen Räumlichkeiten erzählt eine eigene Geschichte. "Im 18. Jahrhundert wendeten die Europ*amp *auml;er ihren Blick verstärkt nach Osten und ließen sich in der Kunst von asiatischen Vorbildern inspirieren", erklärt Roswitha Förster. Von dieser besonderen Form der Nostalgie kündet das Chinesische Zimmer: Wertvolle, reich verzierte Tapeten, Ming-Vasen und Wandbilder stellen den Traum des sorglosen Daseins in einer fernen, idealisierten Welt dar.
Als Prachtstück gilt das Pompejanische Zimmer. Seine leuchtenden, stark kontrastierenden roten, schwarzen und weißen Zeichnungen nehmen Bezug auf die griechische Mythologie. Schwer und rustikal wirkt hingegen das in Grün gehaltene Jagdzimmer mit seinem aus einem Hirschgeweih gefertigten Kronleuchter und dem Meißner Porzellan auf dem Tisch, in dem man förmlich die dunkle Wildsoße dampfen sieht. Barocke Pracht entfaltet der Spiegelsaal mit seinem prunkvollen Leuchter und den mit Gold verzierten Vorhängen.
Es wäre müßig, jedes einzelne Zimmer beschreiben zu wollen, zumal noch lange nicht alle zugänglich sind. "Wir haben noch so viele Räume im Schloss, die der Restaurierung harren, wie beispielsweise das Humboldtzimmer, dass uns die Arbeit in den nächsten 100 Jahren nicht ausgehen wird", schmunzelt "Schlossherrin" Roswitha Förster. Und außerdem besteht die Anlage ja nicht nur aus dem Schloss selbst, sondern auch aus seinen Nebengebäuden und aus dem Schlosspark. Viel Geld ist in den vergangenen Jahren in die Kavaliershäuser geflossen, die den Ehrenhof begrenzen. In diesen zeigen, ebenso wie im benachbarten Meierhof, Handwerker zu besonderen Anlässen ihre Kunst.
Die Barockanlage Rammenau bildet den Anfangspunkt der Sächsischen Handwerkerroute, die im Torhaus über ein Informationszentrum verfügt. Hier sind auch der Kassenraum und ein kleiner Shop untergebracht. Der im englischen Stil gestaltete Park ist oftmals Schauplatz von Konzerten. Den Jahreshöhepunkt bilden die alljährlich stattfindenden Oberlausitzer Leinentage, die erst kürzlich wieder über 17 000 Besucher in ihren Bann zogen.
Das Markenzeichen des Barockschlosses Rammenau stellen aber ohne Zweifel die Kammerzofen dar, die in historischer Tracht den Besucher empfangen und die Schönheiten des Schlosses zeigen.