ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:44 Uhr

"Der Tod von Anneli macht unendlich traurig"

Anneli wird heute nach einer Trauerfeier in der Kirche von Sora auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.
Anneli wird heute nach einer Trauerfeier in der Kirche von Sora auf dem dortigen Friedhof beigesetzt. FOTO: dpa
Klipphausen. Das Schicksal der 17-jährigen Anneli aus Klipphausen hat auch viele bewegt, die sie nicht kannten. Das Mädchen, das entführt und dann ermordet wurde, wird an diesem Sonnabend beigesetzt. Gegen die beiden Entführer wird weiter ermittelt. Christine Keilholz

"Mich macht der Tod von Anneli unendlich traurig", schreibt eine Frau. "Auch ich habe eine 17-jährige Tochter und man kann nur erahnen, wie groß der Schmerz in Ihrer Familie sein muss." Die Familie der ermordeten Anneli hat eine Gedenk-Website eingerichtet. Innerhalb einer Woche haben dort Hunderte kondoliert. Ein paar Fotos stehen dabei. Sie zeigen Anneli, einen fröhlichen Teenager, im Ski-Urlaub, beim Strandspaziergang, beim Rumalbern. "Kunterbunt und lebendig, verträumt und so präsent, mit einem Herz voller Liebe", so nehmen die Angehörigen Abschied.

Trauer auch an Annelis Schule. "Durch ein unfassbar grausames Verbrechen wurde Anneli-Marie aus dem Leben gerissen", schreiben Schüler und Lehrer auf der Seite des Nossener Geschwister-Scholl-Gymnasiums. "Wir werden die Erinnerung an Anneli-Marie in unserem Herzen bewahren und gemeinsam nach Wegen suchen, mit unserer Trauer umzugehen."

Eine weitere Gedenkseite, die ein Bekannter aus Meißen aufgeschaltet hat, wurde 54 000-mal aufgerufen. Viele haben dort virtuelle Kerzen angezündet. Zu sehen ist das Foto, das die Polizei vor zwei Wochen an die Presse gab, um die vermisste Anneli zu finden. Eine lachende 17-Jährige mit glatten, dunkelblonden Haaren. Darunter steht als Sterbedatum 14. August. Ein Tag nach ihrer Entführung.

Mit dem Hund wollte Anneli am Donnerstag vor zwei Wochen raus. Wenig später zogen sie zwei Männer in ein Auto, unweit ihres Elternhauses im Dörfchen Sora bei Klipphausen. Kurz darauf verlangten die Täter 1,2 Millionen Euro Lösegeld von Annelis Vater. Die Geldübergabe scheiterte, weil die Entführer allzu dilettantisch vorgingen. Die beiden Männer wurden am Montag nach der Entführung festgenommen. Einen Tag später fand die Polizei Annelis Leiche in der Nähe eines Dreiseithofs in Lampersdorf.

Als Schlüsselfigur gilt nach derzeitigem Stand der jüngere der beiden Entführer. Der 39-jährige Koch war arbeitslos und offenbar hoch verschuldet. Gerüchten zufolge soll der Vater zweier Söhne an Krebs erkrankt sein. Er lebte eine Zeitlang in Sora, wo Annelis Eltern ihr Bauunternehmen betreiben. Die Polizei griff ihn nahe Bamberg auf, wo er nach mehreren beruflichen Fehlschlägen mit seiner Familie neu anfangen wollte. Anneli könnte ihn zumindest vom Sehen her gekannt haben. Zum laufenden Ermittlungsverfahren gibt die Polizei derzeit keine Auskunft. Der 39-Jährige soll in den Vernehmungen bislang geschwiegen haben.

Der Komplize, ein 61-jähriger Bankrotteur, hat indes geredet. Von ihm stammten die Hinweise, die die Polizei zu Annelis Leiche führten. Wahrscheinlich war das Mädchen schon wenige Stunden nach der Entführung tot. Den Männern wird gemeinschaftlicher Mord und erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen.

Letzte Gewissheit, wann und wie das Mädchen starb, gibt es noch nicht. "Am Ermittlungsstand hat sich nichts geändert", sagt der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase. Weitere toxikologisch-chemische Untersuchungen, heißt es, "werden mehrere Wochen in Anspruch nehmen".

Wahrscheinlich ist, dass Anneli mit einem Gurt erdrosselt wurde. Der ältere der beiden Entführer bestreitet die Tat.

An diesem Sonnabend wird Anneli im privaten Kreis auf dem Friedhof in Sora beigesetzt.