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Der Schulstart in Sachsen wird holprig

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Dresden. Rund 1400 neue Lehrer nehmen am Montag ihren Dienst auf. Doch mehr als die Hälfte ist nur angelernt. Ein Zustand zum Schuljahresbeginn, mit dem keiner zufrieden ist. Christine Keilholz / ckz1

Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) spricht von einer sehr komplizierten Bewerberlage. "Wir finden auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend grundständig ausgebildete Lehrer", sagte Kurth in Dresden, "weder in Quantität noch mit der Ausbildung für die entsprechende Schulart."

Immerhin habe man fast alle der 1400 freien Stellen pünktlich zum Schuljahresstart am Montag besetzen können. Lediglich zwölf Stellen sind demnach noch offen. Das ging aber nur mithilfe von Seiteneinsteigern. Rund 52 Prozent des neuen Personals sind Lehrer, die keine klassische pädagogische Ausbildung mitbringen - vor einem Jahr waren das noch 48 Prozent.

Auf die 1400 freien Stellen hatten sich rund 1160 ausgebildete Lehrer beworben, von denen über die Hälfte für die Schulart Gymnasium ausgebildet ist. Viel zu wenige Bewerbungen kamen für Grund-, Ober- und Förderschulen rein.

Am Ende gelang es doch, für Grundschulen und Oberschulen je knapp 500 Kandidaten zu finden. Für Förderschulen, Gymnasien und Berufsschulen wurden jeweils etwa 150 Lehrer eingestellt.

Trotzdem musste Ministerin Kurth einräumen, dass es in den ersten Wochen des Schuljahres wohl "eng mit der Unterrichtsversorgung" wird. Denn die vielen Seiteneinsteiger bekommen neuerdings eine auf drei Monate angelegte Einstiegsqualifizierung, bevor sie vor die Klasse dürfen. Noch nicht alle haben diese Ausbildung absolviert. Ab Herbst soll es zudem weitere Stellenausschreibungen geben, kündigte Kurth an.

Darüber hinaus geht die Kultusverwaltung auf Lehrer im Ruhestand zu, um diese als Honorarkräfte bei kurzfristig auftretendem Unterrichtsausfall einplanen zu können. Fast 700 Lehrer haben sich, so Kurth, zudem bereit erklärt, über ihr übliches Stundenvolumen hinaus zu arbeiten. Überstunden sollen sofort vergütet werden. "Das Kultusministerium mobilisiert die letzten Reserven", kommentierte die Bildungspolitikerin der Linken, Cornelia Falken.

Das ist umso dramatischer, da auch dieses Jahr wieder mit mehr Schülern beginnt. Voraussichtlich 402 400 Schüler werden am Montag an die 1356 öffentlichen Schulen in Sachsen strömen. Das sind 5000 mehr als im vorigen Jahr.

Für die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Zais wird immer deutlicher, "dass auch auf Jahre hinaus keine Verbesserung der prekären Lage an den Schulen zu erwarten ist". Der Anspruch und das Streben nach guter Qualität in der schulischen Bildung laufe Gefahr, "im Strudel des Lehrermangels endgültig zu versinken", so die Grüne.

Der Landesschülerrat wertet Kurths Maßnahmenpaket als Übergangslösung, sieht aber immerhin positiv, dass trotz der angespannten Arbeitsmarktsituation nahezu alle Lehrerstellen besetzt werden konnten. Doch die vergleichsweise niedrige Zahl an ausgebildeten Lehrkräften "schafft dafür neue Probleme, die nicht minder schwer sind", sagt Geschäftsführer Erik Bußmann. Um die Stabilität der Lehrerversorgung in Zukunft sicherstellen zu können, müsse das Kultusministerium bereit sein, Lehrkräfte auch über Bedarf einzustellen. Die Personalplanung könne nicht dauerhaft auf Notbehelfen aufgebaut werden. "Es darf nicht zum Dauerzustand werden, dass eine Kultusministerin alle Register ziehen muss und die Lehrerversorgung mit einem Flickenteppich verschiedenster Maßnahmen sicherstellt."

Der CDU-Abgeordnete Lothar Bienst sieht dagegen die Lage viel weniger dramatisch. Fast der komplette Lehrerbedarf sei gedeckt, das sei "insgesamt eine positive Entwicklung und keineswegs selbstverständlich, wie ein Blick in benachbarte Bundesländer zeigt".