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Der Osten bleibt abgehängt

Dresden. Nach Linde in Dresden und Bombardier in Sachsen und Brandenburg steht nun auch die Eisenacher Niederlassung von Opel infrage. Solche Fälle "zeigen eben wieder, man ist nicht Herr des Geschehens, wenn solche Unternehmensentscheidungen irgendwo in der Ferne getroffen werden", sagte der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden, Lars Fiehler, gegenüber der RUNDSCHAU. Christine Keilholz / ckz1

Da könne man vor Ort noch so gute Arbeit machen. "So schön das ist, wenn solche großen Unternehmen hierherkommen: Das gibt es nicht risikofrei."

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) beklagte jüngst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sächsische Standorte, die sogar profitabler seien, "aufgegeben werden, um Standorte im Westen zu schonen". Dort sei zudem die Aufregung bei Gewerkschaften, Bundespolitik und auch Medien "um ein Vielfaches größer", wenn mehrere Tausend Arbeitsplätze zur Disposition stehen, so Tillich.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk hält indes nichts von solchen Tönen: Er sei "ein bisschen verwundert über die Weinerlichkeit" des sächsischen Ministerpräsidenten. Auch wenn es im Jahr 27 nach der deutschen Einheit immer noch schwierig sei, in Berlin Wirtschaftspolitik für den Osten zu machen, sollte man trotzdem "etwas mehr selbstbewusst sein".

Der Chef der Leipziger Handelshochschule (HHL), Andreas Pinkwart, findet, ein Weckruf wie der Tillichs könne nicht schaden: "Es steht außer Frage, dass der Osten noch eine Wegstrecke vor sich hat", sagt der Wirtschaftswissenschaftler und frühere FDP-Minister von NRW. "Aber wir können nicht nur klagen."

Wirtschaft Seite 5