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| 02:38 Uhr

Der Mann für den Rest

Post aus Dresden. Zwischen Politik und Verwaltung gibt es Jobs, die sind zwar ganz okay, aber die will keiner gern machen. Staatssekretär ist so ein Job. ckz1

Ein Staatssekretär macht, ja was eigentlich? Um das zu erklären, muss ausgeholt werden: In jedem Ministerium gibt es normalerweise einen Minister. Nehmen wir den Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der kann unmöglich alle Unternehmen, Arbeitgebervertreter, Arbeitnehmervertreter selbst besuchen und jeden 5. Bauabschnitt irgendeiner Ortsumgehungsstraße selbst eröffnen. Klar, der Minister konzentriert sich auf die wichtigen Bauabschnitte - für den Rest hat er einen Staatssekretär.

Das Leben eines Staatssekretärs ist arm an Höhepunkten, und in ungünstigen Fällen ist es selber schon der Höhepunkt. Wer den Job machen will, braucht drei Anzüge. Einen grauen, einen braunen (blau geht auch) und einen besseren für Termine ab 18 Uhr. Überdies braucht er einen zackigen jungen Typen, der immer mit ihm aus dem Auto steigt, und der ständig das Smartphone am Ohr hat. Denn, ein Staatssekretär, der seine Termine selbst organisiert, was wäre denn das für einer? Obendrein wird ein Staatssekretär nicht schlecht bezahlt und darf immerhin auf die zweitbesten Partys. Weil ein Minister auch mal krank wird, ist der Staatssekretär im Prinzip nur eine Grippe weit davon entfernt, mal etwas Wichtiges machen zu dürfen. Ansonsten ist er sozusagen eine ständige Urlaubsvertretung.

An der TU Chemnitz freuten sie sich jedenfalls sehr, als neulich Staatssekretär Stefan Brangs vorbeikam, um sich anzuschauen, wie die dort Menschen digitalisieren. Der 52-jährige SPD-Mann aus Schmölln-Putzkau sagte diesen langen Satz auf: "Die TU Chemnitz leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Stärkung ihrer Kernkompetenz Mensch und Technik im Allgemeinen sowie zur Erforschung der künftigen Interaktionen zwischen Menschen und Maschinen im Zuge der Digitalisierung und Industrie 4.0 im Speziellen." Und weil er das gut machte, durfte er sich hinterher selbst digitalisieren lassen. Ein großer Spaß, wie die getwitterten Bilder zeigen. Und als da der Bodyscanner rauf und runter fuhr, durfte der Staatssekretär davon träumen, es gäbe ihn zweimal, sodass auch ihm mal jemand den Rest abnehmen könnte.