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Der Freistaat hat den dicksten Bierbauch

Ein originelles Fotomotiv: die durchschnittlichen Bierbäuche des Sachsen (l.), des Deutschen (M.) und des Hessen.
Ein originelles Fotomotiv: die durchschnittlichen Bierbäuche des Sachsen (l.), des Deutschen (M.) und des Hessen. FOTO: dpa
Meißen. Statistisch trinken die Sachsen am meisten Bier in Deutschland. Und auch in der Pro-Kopf-Produktion des Gerstensaftes liegen sie ganz vorn. Die lange sächsische Biertradition ist jetzt Thema einer Sonderschau auf der Albrechtsburg in Meißen. Martin Fischer

"Wenn Sie so wollen, hat das Bier die Albrechtsburg gerettet", sagt Christian Striefler, Geschäftsführer der staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Sachsen. Denn so beschreibt es Bischof Thietmar von Merseburg um die erste Jahrtausendwende nach Christus in seiner Chronik. Demnach waren es die "tapferen Frauen von Meißen", die nach einem Angriff des polnischen Herzogs Miezko II. im Jahre 1015 die in Brand gesetzte Burg mangels Wassers mit Honigbier löschten. Diese erste urkundliche Erwähnung des Bieres in Sachsen wird ein Jahrtausend später Aufhänger einer Sonderschau auf der Burg: "Prost! 1000 Jahre Bier in Sachsen."

Braupfanne und Trinkrituale

Von einer alten Braupfanne, die als Projektionsfläche für eine Videodarstellung des Brauprozesses dient, frischem Hopfen zum Riechen und Anfassen über Bierfässer, kuriose Flaschen und historische Humpen bis hin zur Darstellung von Trink-Ritualen - anhand von 250 Exponaten wird der Besucher multimedial durch die Jahrhunderte geleitet.

Aufgebaut ist die Ausstellung auf gelben Bierkästen, gefüllt mit leeren braunen Flaschen. "1000 Jahre Bier in Sachsen, 1000 Kästen", sagt Schlossleiter Uwe Michel, der zu der Sonderschau, die am heutigen Donnerstag - dem Tag des Bieres - beginnt, bis November rund 60 000 Besucher erwartet.

In einem der sechs thematisch gegliederten Räume hängen Bäuche an der Wand. Drei naturgetreu nachgebildete männliche Torsi, von der Brust bis zum Bauch. "Anhand des Bierbauches stellen wir nach, wie hoch der Pro-Kopf-Verbrauch des Jahres 2013 beispielsweise in Sachsen war", sagt Michel.

Genussbiertrinken im Fokus

Neben den Bäuchen kann man auch lesen, wie viel Liter Bier produziert wurden in Sachsen, in ganz Deutschland und - sozusagen als Kontrast - in Hessen. "Auch hier ist Sachsen spitze." Und hat folgerichtig mit mehr als 200 Litern Pro-Kopf-Produktion bei selbstgetrunkenen 135 Litern auch den dicksten Bauch. In Sachsen wird heute in 59 Brauereien Bier gebraut. "Davon sind die Hälfte kleine Brauereien", erzählt die Geschäftsführerin des Brauerbundes, Barbara Sarx-Lohse. Der Rest seien Mittelständler sowie zwei große Brauereigruppen.

Zusammen haben sie im vergangenen Jahr mehr als acht Millionen Hektoliter Bier gebraut. Mehr als 300 verschiedene Biermarken gibt es im Freistaat.

"Wir haben seit jeher viele verschiedene Biere", sagt Sarx-Lohse. Und der neue Trend zum Craft-Bier, aromatisierten und oft höherpreisigen Spezialbieren, tue dem Geschäft gut. "Dadurch wird das Genuss-Biertrinken noch mehr in den Vordergrund gerückt. Für die Bierbranche ist es auf jeden Fall positiv, dass man ähnlich wie beim Wein auch anfängt, Bier zu verkosten und sich mal reinfühlt in den Biergeschmack."

Die Ausstellung soll Lust aufs Bier machen. In nachempfundener Kneipen- und Biergartenatmosphäre kann der Besucher auch probieren. Doch auch die Gefahren des Alkohols werden thematisiert. So zeigen zwei "Rauschbrillen" wie die Welt mit 0,8 und 1,3 Promille Alkohol im Blut aussieht. "Der Besucher kann sich diese Brille aufsetzen und dann versuchen, kleine Aufgaben zu lösen", sagt Ausstellungskurator Alexander Hänel. "Das gehört genauso hierher wie alles Gute am Bier, das hier gezeigt wird."