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| 02:39 Uhr

Der Biber als Feind der Denkmalpflege

Der Hoppenrader Parkteich hat sich aufgrund der Biber-"Bauarbeiten" zu einer unansehnlichen Pfütze entwickelt.
Der Hoppenrader Parkteich hat sich aufgrund der Biber-"Bauarbeiten" zu einer unansehnlichen Pfütze entwickelt. FOTO: Volkmann/Landesdenkmalamt
Potsdam. () Brandenburgs Biber legen sich nun auch mit der Denkmalpflege an: In Hoppenrade in der Prignitz verwüsten die unter Naturschutz stehenden Nager derzeit den Landschaftspark des ehemaligen Gutes. Die 1830 vom späteren königlich-preußischen Gartenbaudirektor Eduard Neide geschaffene und bundesweit bedeutsame denkmalgeschützte Parkanlage ist aus Sicht des Landeskonservators mittlerweile in ihrem Bestand gefährdet. Benjamin Lassiwe / iwe1

"Der Biber fällt ungenehmigt Bäume", sagte Landeskonservator Thomas Drachenberg am Donnerstag beim Jahrespressegespräch des Landesamtes für Denkmalpflege in der Brandenburger Landesvertretung in Berlin.

Wie es im Jahresbericht des Landesdenkmalamtes heißt, sei der Hoppenrader Parkteich, "früher mit seinem künstlich angestauten Wasserspiegel ein wesentliches Gestaltungselement in der Parkkomposition", heute eine "Schlamm-pfütze", weil der Biber den Teich mit einem benachbarten Gewässer verbunden und abgeleitet habe.

"Die Entscheidung der vom Naturschutz durchgeführten Abwägung zwischen den sich widersprechenden Belangen des Artenschutzes für den Biber und der Erhaltung eines bedeutenden Kulturdenkmals fiel positiv für den Biber aus", schreibt das Landesdenkmalamt.

Bislang sei der Park mit großem ehrenamtlichen Engagement von einem Parkverein gepflegt worden. Aber "alle vorgeschlagenen Schutzmaßnahmen für den Bestand des Parks sind durch die nunmehr verständlicherweise frustrierten Mitglieder des Parkvereins nicht zu leisten und aus denkmalfachlicher Sicht unakzeptabel." Drachenberg zufolge müsse es hier dringend neue Regelungen geben.

Akut einsturzgefährdet ist nach Angaben des Landeskonservators das Herrenhaus in Neudöbern (Oberspreewald-Lausitz). "Seit mehr als 20 Jahren sind die Probleme der Pfahlgründung bekannt, seit zehn Jahren sind Absenkungen der Fundamente an den Gebäudeecken erkennbar", heißt es im Jahresbericht des Landesdenkmalamtes. An drei Ecken des Gebäudes seien mittlerweile Mauerwerksbereiche über den Fensteröffnungen herausgefallen. Damit seien die Ecken statisch instabil.

Doch die privaten Eigentümer veranlassen keine Sicherungsmaßnahmen - lediglich ein vom Landkreis aufgestellter Zaun verhindere, dass Menschen zu Schaden kommen. Einsturzgefährdet sei auch die älteste Scheune des Landes Brandenburg. Das in Garsedow befindliche, von 1550 stammende Gebäude sei eines von nur wenigen Häusern im ländlichen Raum Brandenburgs, das bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg errichtet worden sei. Bemühungen um Fördermittel hätten bislang keinen Erfolg gehabt.

Politisch warnte Drachenberg vor den Folgen der Kreisgebietsreform. Die geplante Übertragung des Führens der Denkmalliste auf die Kreise würde einen enormen bürokratischen Mehraufwand zur Folge haben. Zum einen müsste im Landesdenkmalamt weiterhin eine Gesamtliste geführt werden, damit Land und Kultusministerium den Überblick behielten. Zum anderen müssten dann in jedem Landkreis neue Stellen für etwas geschaffen werden, was bislang mit einer halben Stelle zentral im Amt erledigt werde. Bedenklich sei auch, dass das Landesdenkmalamt seit dem Jahr 2000 rund ein Drittel seiner Stellen verloren habe. Von 122 Mitarbeitern sei die Belegschaft nun auf 73 geschrumpft.

Positiv würdigte Drachenberg die Erhöhung der Denkmalhilfe des Landes auf rund eine Million Euro im aktuellen Doppelhaushalt. In den vergangenen Jahren habe man eine Reihe von bedeutenden Denkmalen erhalten können: Darunter auch die Klosterkirche in Mühlberg.