| 10:25 Uhr

Das sagt der Syrer, der den Terrorverdächtigen al-Bakr überwältigte

Das Wohnhaus im Leipziger Stadtteil Paunsdorf (Sachsen), in welchem der flüchtige Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr am 10.10. festgenommen wurde. Der 22-jährige Syrer war seit einer Anti-Terror-Razzia am Samstag in Chemnitz auf der Flucht. Er war einer Festnahme knapp entkommen. Bei der Durchsuchung einer Wohnung, in der sich al-Bakr aufgehalten hatte, waren mehrere Hundert Gramm Sprengstoff gefunden worden.
Das Wohnhaus im Leipziger Stadtteil Paunsdorf (Sachsen), in welchem der flüchtige Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr am 10.10. festgenommen wurde. Der 22-jährige Syrer war seit einer Anti-Terror-Razzia am Samstag in Chemnitz auf der Flucht. Er war einer Festnahme knapp entkommen. Bei der Durchsuchung einer Wohnung, in der sich al-Bakr aufgehalten hatte, waren mehrere Hundert Gramm Sprengstoff gefunden worden. FOTO: Jan Woitas (dpa-Zentralbild)
Leipzig/Berlin. Zwei Syrer berichten laut Medien, wie sie den unter Terrorverdacht stehenden Syrer Dschaber al-Bakr in einer Leipziger Wohnung überwältigten - bevor die Polizei in dort festnahm. Al-Bakr hatte in Chemnitz Sprengstoff für einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen gehortet, vermutet der Verfassungsschutz. dpa/oht

Der mutmaßliche IS-Terrorist Dschaber al-Bakr soll am Samstag in einem Online-Netzwerk syrischer Flüchtlinge nach einem Schlafplatz in Leipzig gesucht haben. Der 22-Jährige habe geschrieben, er suche dringend eine Unterkunft und befinde sich am Leipziger Hauptbahnhof, zitierte bild.de den Syrer Mohammed A., der den Mann gemeinsam mit Freunden überwältigt habe.

"Wir sind dann hingefahren und haben ihn mitgenommen. Wir waren erst bei einem Freund in dessen Wohnung, haben dort Reis mit Lammfleisch gegessen. Dann sind wir zu einem anderen Kumpel gefahren, weil es dort mehr Platz gab. Dort hat der Terrorist übernachtet", zitierte das Blatt den 36-Jährigen weiter. Am Sonntag habe er Al-Bakr dann auf dessen Wunsch die Haare abgeschnitten.

Ebenfalls am Sonntag hätten Mohammed A. und ein Freund auf Facebook Fahndungsaufrufe nach dem flüchtigen Terroristen gesehen. Al-Bakr habe ihnen erzählt, er sei gerade erst aus Syrien angekommen, hätte in Leipzig Aussicht auf einen Job. Als Al-Bakr sich am Sonntagabend wieder schlafen gelegt habe, hätten sie ein Foto von ihm auf Facebook gepostet und mit anderen Syrern diskutiert, ob er der gesuchte Terrorist sei. Dann hätten sie ihn mit mehreren Verlängerungskabeln gefesselt und die Polizei informiert.

Nach seiner Überwältigung durch andere syrische Flüchtlinge in Leipzig soll der mutmaßliche IS-Terrorist Dschaber al-Bakr noch versucht haben, sich freizukaufen. "Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen", sagte Mohammed A. laut dem Sender RTL . "Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei", zitierte der Sender Mohammed A.

Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben, sagte der Syrer RTL zufolge weiter. Daraufhin sei er mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren. RTL und bild.de veröffentlichten dazu ein Bild, das zeigt, wie einer der Flüchtlinge den Gesuchten auf einem Sofa im Schwitzkasten hält. Auf dem Foto sind die Füße Al-Bakrs mit dem Kabel einer Verteilersteckdose gefesselt.

Der unter Terrorverdacht festgenommene Syrer Dschaber al-Bakr sollte offenbar im Auftrag der islamistischen Terrororganisation IS die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland angreifen. Das sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, am Montagabend der ARD: "Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin."

Vorgehensweise und Verhalten des Verdächtigen sprächen für einen "IS-Kontext", sagte der Leiter des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen, Jörg Michaelis. Die in der Chemnitzer Wohnung am Wochenende sichergestellten 1,5 Kilogramm Sprengstoff sind wohl identisch mit dem Sprengstoff, den IS-Terroristen in Frankreich und Belgien verwendet haben. "Die Ermittlungen zeigen, dass solche Taten, wie wir sie in Frankreich und Belgien gesehen haben, auch in Deutschland nicht auszuschließen sind", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Al-Bakr war 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen und ist hier registriert worden. Der 33 Jahre alte Mieter der Chemnitzer Wohnung wurde als möglicher Komplize in Untersuchungshaft genommen. Den Angaben zufolge ist Khalil A. wie Al-Bakr als syrischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, aber erst Ende November 2015. Al-Bakr war im Februar 2015 über München nach Chemnitz gelangt, seit März lebte er im nordsächsischen Eilenburg.