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| 09:36 Uhr

Biosphärenreservat
In Gladiolenwiese steckt viel Arbeit

Bei der Mahd der Gladiolenwiese bei Dauban (Gemeinde Hohendubrau) kommt nur leichte Technik zum Einsatz, wie hier bei Markus Wowtscherk (li.) und Günter Sommer.
Bei der Mahd der Gladiolenwiese bei Dauban (Gemeinde Hohendubrau) kommt nur leichte Technik zum Einsatz, wie hier bei Markus Wowtscherk (li.) und Günter Sommer. FOTO: Uwe Menschner
Dauban. Im November präsentiert sich die Gladiolenwiese Dauban eher trist. Ausgerechnet in diesem Ambiente erfolgte jetzt die offizielle Auszeichnung als Naturwunder 2017. Von Uwe Menschner

Das Naturwunder des Jahres 2017 kommt recht unauffällig daher: eine stoppelkurz gemähte Wiese, die deutliche Spuren der Tätigkeit von Schwarzwild aufweist, an den Rändern von dichtem Buschwerk umlagert. Kein Farbtupfer, schon gar keine Blüte durchbricht das eintönige Grün der Grasstängel. Nein, der November ist wahrlich nicht der Monat, in dem die Natur mit ihren üppigen Reizen protzt.

Vor einem halben Jahr hat es hier, auf dem ehemaligen NVA-Panzerschießplatz in der Nähe von Dauban (Gemeinde Hohendubrau, Landkreis Görlitz) ganz anders ausgesehen. Da erhoben sich unzählige violette Blütenkelche über dem Gras, was Naturfreunde aus nah und fern begeisterte. Zumindest war es spektakulär genug, um knapp 800 Menschen zur Abgabe ihrer Stimme für diese Wiese bei der Wahl des „Naturwunders 2017“ zu bewegen – das sind 18,8 Prozent aller abgegebenen Stimmen und mehr als für jeden anderen Kandidaten. Und so kann sich die Gladiolenwiese Dauban jetzt als „Naturwunder 2017“, gekürt von der Heinz Sielmann Stiftung und vom Europarc Deutschland e.V., bezeichnen. Jetzt erfolgte die offizielle Übergabe der entsprechenden Urkunde an die DBU Naturerbe GmbH als Eigentümer und den Staatsbetrieb Sachsenforst (vertreten durch die Biosphärenreservatsverwaltung Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft) als fachlich zuständige Behörde.

„Für uns stellt dies auch eine Anerkennung unserer Bemühungen zum Erhalt dieses Biotopes dar“, betont Michael Diekamp von der DBU Naturerbe GmbH. „Offenlandflächen in einer Wildnis haben nämlich das Bestreben zuzuwachsen. Deshalb muss viel dafür getan werden, um den Bewuchs zu entfernen, damit die Gladiolen und andere Blütenpflanzen gedeihen können.“

Die praktische Arbeit leistet größtenteils die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz. „Die Wiese muss nach dem Ende der Blüte gemäht werden. Der Einsatz schwerer Technik verbietet sich aufgrund der Gefahr einer zu großen Bodenverdichtung. Dasselbe gilt auch für Rinder und Schafe“, erklärt Geschäftsführerin Annett Hertweck. Also muss die Fläche mit kleinen, einachsigen Mähtraktoren oder auch mit dem Trimmer bearbeitet werden. Das Bergen des Mähgutes erfolgt mit Rechen und Gabeln. Der Erfolg gibt den Bemühungen recht: Von 30 im Jahre 1995, also zum Zeitpunkt der „Entdeckung“, stieg die Zahl der Blüten auf bis zu 3000 im Rekordjahr 2009. Zuletzt lag der Wert wieder etwas niedriger, was aber natürlichen Schwankungen zuzuschreiben ist.

Apropos Entdeckung: Dieses Wort steht nicht umsonst in Gänsefüßchen. „Uns waren die Gladiolen durchaus schon bekannt“, betont Horst Riese. Er führte von 1972 bis zur Schließung 1993 das Kommando über den Truppenübungsplatz Dauban und lebt noch heute in der Gemeinde Hohendubrau. Auch für ihn und seine Leute stellte das Freihalten der Flächen einen großen Aufwand dar - „auch wenn es natürlich zu einem anderen Zweck erfolgte“. Dabei halfen Kadetten aus den Offiziersschulen Löbau und Zittau, denen der Übungsplatz zugeordnet war. Den heutigen Verantwortlichen empfiehlt Horst Riese, die Öffentlichkeit intensiv einzubeziehen.

Torsten Roch, der Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung, ist da eher zurückhaltend. „Wir haben den Ball bewusst flach gehalten, denn wir wollen hier keinen Massentourismus.“ Freilich ist auch ihm klar, dass sich die Schönheit dieses Ortes – umso weniger nach der jetzt erfolgten Ehrung – nicht verstecken lässt. Den Spagat zwischen dem Schutz des Naturwunders und der Neugier der Menschen auf verträgliche Weise zu vollziehen, darin bestehe jetzt die große Herausforderung.