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| 05:00 Uhr

Lausitz weiterhin Schwerpunkt beim Crystal-Handel
„Diese Droge ist lebensbeendend“

  Crystal gilt nach wie vor als eine der gefährlichsten chemischen Drogen.
Crystal gilt nach wie vor als eine der gefährlichsten chemischen Drogen. FOTO: dpa / Arno Burgi
Berlin/Dresden. Es ist ruhig geworden um die Modedroge. Dabei sind Crystal-Schmuggel und Abhängigkeit noch immer ein großes Problem. Seit 2017 zieht der Zoll wieder mehr Stoff aus dem Verkehr. Von Christine Keilholz

Für die Zollfahnder, die an der deutsch-tschechischen Grenze kontrollieren, ist Crystal Meth an der Tagesordnung. Meist sind es kleine Mengen, die bei Kontrollen auffallen. Im Grammbereich, eher selten sind es größere Lieferungen von mehreren Kilogramm. Die Täter sind meist 25 bis 40 Jahre alte Männer, die professionell schmuggeln im Auftrag von organisierten Strukturen. Die Zollfahnder ahnen, dass ihnen nur ein Teil des Geschäfts ins Netz geht. „Die Kontrollen sind zu gering ausgeprägt“, sagt Thomas Liebel, Vize-Chef der Deutschen Zollgewerkschaft (BDZ).

Zollfahnder: Crystal bleibt großes Problem

Das Thema Crystal ist in den Hintergrund geraten. Noch bei den Landtagswahlen 2014 bestimmte die rasend schnelle Ausbreitung der synthetischen Droge die politische Debatte. Diesmal ist das gefährliche Methamphetamin kein Politikum. Die offiziellen Zahlen lassen auf einen Rückgang im Konsum schließen. In Sachsen, einer der Hochburgen, sanken die Straftaten mit Bezug zu Crystal um 500 im vergangenen Jahr. Bundesweit wurden 1000 Delikte weniger registriert. Doch Zollfahnder sind sich einig, dass das nur das Hellfeld ist. „­Crystal ist nach wie vor ein großes Problem“, sagt Liebel.

Das für den deutschen Markt bestimmte Crystal stammt meist aus Tschechien. Die Schwerpunkte liegen in Sachsen, Bayern, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dahinter steckt ein ausgeklügelter Dreieckshandel. Der Stoff wird über das Darknet gehandelt. Die Rohstoffe stammen aus Polen, sie sind dort teilweise legal in der Apotheke zu bekommen. Sie werden nach Tschechien geschmuggelt und dort in Drogenküchen mit Batteriesäure versetzt und zu Crystal zusammengekocht. Ein unüberschaubares Netz von vielen Kleinhändlern schafft das Zeug dann über die Grenze nach Deutschland. Das Geschäft ist zu einem Großteil in den Händen vietnamesischer Clans.

In Grenznähe mehr Drogenfunde

Je näher der Grenze, desto häufiger wird der Zoll fündig. Das Hauptzollamt Dresden zieht jedes Jahr drei bis vier Kilo Crystal Meth aus dem Verkehr. Eine große Menge, gemessen daran, dass die Droge im Milli­grammbereich dosiert wird. Die Gewinnspannen sind enorm, die Nachfrage ist groß, deshalb floriert das Geschäft.

Methamphetamin ist eng verwandt mit Speed, hat aber ein deutlich höheres Suchtpotenzial. Wer es nimmt, will seine Leistungen steigern – landet aber sofort in einer Suchtspirale. Davon kann Mark Frank berichten. Der 54-jährige Arzt leitet die Notaufnahme im Klinikum Görlitz. Ihm kommen mehrmals die Woche Patienten unter, die an Störungen infolge von Crystal-Konsum leiden.

„Ich habe ganz viele junge Leute, die nehmen das einmal und sind abhängig“, sagt er. In Schulen klärt er manchmal über die Wirkungen der Droge auf. Dann nimmt der Arzt einen Betroffenen mit, der von seinen Erfahrungen erzählt. „Diese Drogen sind lebensbeendend“, sagt Frank, „Es ist wichtig, dass die Jungendlichen das früh genug begreifen.“

Dealer weichen auf neue Wege aus

Lange galt Crystal als Grenzphänomen im Osten der Republik. Erst 2015 entdeckte die große Politik das Thema. Zollfahnder wie Thomas Liebel hatten darum geworben. 2015 untersuchte die Drogenbeauftragte erstmals das Konsumverhalten von Crystal-Abhängigen. Das Ergebnis: Zwei Prozent der Sachsen und 1,7 Prozent der Thüringer haben Crystal schon einmal konsumiert. In Nordrhein-Westfalen trifft das nur auf 0,3 Prozent zu.

2017 zogen Zollbeamte bundesweit 83 Kilo Crystal aus dem Verkehr, das war gut dreimal so viel wie im Jahr davor. Viel davon wurde im internationalen Flugverkehr aufgegriffen. Denn je mehr an der Grenze kontrolliert wird, desto mehr weichen die Händler auf andere Wege aus.

Dem Rauschgiftschmuggel muss ein erhöhter Verfolgungsdruck entgegengesetzt werden, sagt Liebel. Vor allem aber: „Es ist wichtig, dass das Crystal-Problem wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt.“