Vier Wochen lang galt in Sachsen eine strenge Ausgangsbeschränkung, ab Montag werden die Corona-Regeln nun gelockert. Die Menschen dürfen sich wieder freier bewegen, sollen aber auch nicht zu sorglos sein. Wie soll dieser Spagat in Sachsen klappen? Ein Überblick:

Die Infektionszahlen steigen in Sachsen langsam. Warum braucht es noch weiter Maßnahmen zum Schutz der Menschen?

Das einzige Mittel, um die Ausbreitung des Coronavirus zu hemmen, ist nach Expertenmeinung Distanz zwischen den Menschen. Deswegen gilt auch weiterhin die Abstandsregel von mindestens 1,5 Metern.

Was wird außerdem für den Infektionsschutz getan?

Sachsen hat am vergangenen Freitag eine Maskenpflicht für den Nahverkehr und im Einzelhandel beschlossen. Damit war das Land Vorreiter in Deutschland. Mund und Nase müssen im Supermarkt oder im Bus bedeckt werden. Es sollen aber auch ein Tuch, ein Schal oder eine selbstgebastelte Stoffmaske ausreichen.

Unternehmen haben sich bereits auf die neue Verordnung eingestellt. Bei der Vogtlandbahn zum Beispiel ist jetzt das gesamte Personal mit Schutzmasken ausgestattet worden. Man hoffe, dass sich auch die Fahrgäste an die Bestimmungen halten, so ein Sprecher. Bei der Chemnitzer Verkehrs-AG ist das Betreten der Fahrzeuge entsprechend nur noch mit ausreichendem Mundschutz gestattet. Auch die Polizei in Sachsen trägt ab Montag Schutzmasken.

Statt Ausgangsbeschränkung heißt es nun Kontaktbeschränkung. Was ist der Unterschied?

Seit dem 23. März durften die Menschen in Sachsen ihre Wohnung nicht mehr ohne triftigen Grund - den Weg zur Arbeit, zum Supermarkt oder zur Runde mit dem Hund - verlassen. Das fällt jetzt weg, man darf wieder einfach so raus. Allerdings soll man sich nur mit Menschen aus dem eigenen Haushalt oder maximal einer anderen Person draußen bewegen. „Ich glaube, das ist eine wesentliche Erleichterung und macht den Alltag angenehmer“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Gradmesser für die Lockerungen sei aber das Infektionsgeschehen.

Textile Schutzmasken für den beginnen ersten Unterricht an Sachsens Schulen wurden bereits verteilt.
Textile Schutzmasken für den beginnen ersten Unterricht an Sachsens Schulen wurden bereits verteilt.
© Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Was ist sonst noch wieder erlaubt?

Wer sich draußen bewegt, muss dies nicht mehr im unmittelbaren Umfeld vom Wohnort tun. Dieses war in Sachsen als Entfernung von 15 Kilometern um die Wohnung definiert worden. Die „15-Kilometer-Regel“ fällt weg. Touristische Ausflüge sind wieder gestattet. Menschen aus Dresden dürfen also wieder in der Sächsischen Schweiz wandern, und Leipziger können wieder ihre Seen im Umland besuchen. Auf überregionale Reisen soll aber weiter verzichtet werden.

Werden Spielplätze wieder freigegeben?

Nein. Es sei das Wesen der Spielplätze, dass es dort keinen Abstand gibt und dass die Kinder dort unmittelbar miteinander spielen, sagte Kretschmer. Das laufe allen Bemühungen zuwider, den Infektionsschutz zu gewährleisten. Die jetzige Schutz-Verordnung gilt bis zum 3. Mai. Dann will die Regierung aber über weitere Schritte und mögliche Lockerungen entscheiden.

Darf man wieder Verwandte besuchen?

Die Menschen sind weiter aufgefordert, auf Besuche von Verwandten zu verzichten.

Welche Geschäfte machen in Sachsen wieder auf?

Hier gilt in Sachsen, was die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin verabredet haben: Geschäfte bis zu 800 Quadratmeter Fläche dürfen wieder aufmachen, dazu Bau- und Gartenmärkte und Autohäuser. Eine Verkleinerung der Ladenfläche zur Umgehung der Schließung in größeren Geschäften ist dagegen nicht zulässig.

Bisher waren Veranstaltungen und Versammlungen nicht gestattet. Wie geht es damit weiter?

Ansammlungen jeglicher Art bleiben untersagt. Auf Antrag können die Landkreise oder Städte jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilen. Eine Ausnahmeregelung hat das Land Sachsen zudem für Gottesdienste getroffen: Mit bis zu 15 Besuchern sind sie in Zukunft wieder gestattet. Die gleiche Obergrenze gilt für Trauerfeiern.

Großveranstaltungen bleiben untersagt. Was zählt als Großveranstaltung?

Das ist noch nicht so genau definiert worden. Über alles mit mehr als 1000 Teilnehmern brauche man gar nicht nachdenken, sagte Kretschmer. Was mit Veranstaltungen mit einer Größe um die 100 Personen sei, werde man sehen. „Das wird sich entscheiden anhand der Infektionszahlen in den nächsten Wochen und Monaten.“

Was ist mit den Besuchsverboten in Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern?

Sie bleiben in der bisherigen Form bestehen.

Wie lange gelten die jetzigen Regelungen?

Die Verordnung gilt bis zum 3. Mai. Bund und Länder haben verabredet, im 14-Tages-Rhythmus neu zu beraten. Kretschmer hatte betont, dass die Lockerungen in Sachsen aus seiner Sicht sehr weitgehend seien. „Hoffen wir nicht, dass wir in zwei Wochen belehrt werden, dass wir zu weit gegangen sind.“