ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:09 Uhr

Comeback mit 40

Andere bekommen in seinem Alter vielleicht eine „Midlife-Crisis“. Das Leipziger Messemännchen aber startet im reifen Alter noch mal durch. Globuskopf, die Pfeife im Mundwinkel, mit Aktenkoffer und blauem Anzug – so geht es wieder durch die Welt. Im Jahr seines 40. Von Marion <br> van der Kraats

Geburtstages hat die Leipziger Messe auf die große Nachfrage reagiert und sein Maskottchen als Souvenir neu aufgelegt. Den "Papa", DDR-Kunstpreisträger Gerhard Behrendt, freut's - und Bruder Sandmännchen gratuliert besonders herzlich. Dem Erfolg dieser Figur fast genau fünf Jahre zuvor hatte Behrendt seinen Auftrag 1964 für die Leipziger Werbefigur zu verdanken.
Die genaue Geburtsstunde vom Messemännchen ist nicht dokumentiert. "Es muss Anfang des Monats November gewesen sein", berichtet sein Schöpfer. Das Messeamt hatte den "Vater" des Sandmanns beauftragt, eine wirkungsvolle Figur als Souvenir und Werbeträger zu entwickeln. "Von Wichtigkeit sei, Leipzig als Mittler der Geschäftswelt zwischen Ost und West darzustellen, hieß es damals", erinnert sich der heute 75-Jährige. "Mir schoss - wie immer bei so großen Aufgaben - zunächst verwirrend viel durch den Kopf."

Die zweite gute Idee
Der Puppengestalter und Trickfilmregisseur erinnert sich an Bilder aus Tausendundeiner Nacht wie den "Fliegenden Teppich", an verschiedene Tiere und Symbole. Am Ende sei dies alles verdrängt worden durch ein Bild - den personifizierten Globus. Behrendts Auftraggeber gefiel die Idee. "Die Symbolwirkung war sofort da", schildert der in Berlin lebende Künstler. Damit war Behrendt in einem November bereits der zweite Clou gelungen: Auch das Sandmännchen hat in diesem Monat Geburtstag und wird am 22. November 45 Jahre alt. An diese Erfolge knüpft die Leipziger Messe nun an, nachdem das Männchen mit der Wiedervereinigung 1990 im Schrank verschwunden war. Zur Automobilmesse
"Ami 2004" wurde das Maskottchen - zunächst mit einer Auflage von 10 000 Stück - wieder aufgelegt. Für sechs Euro ist es seitdem wieder zu haben. "Wir sind die einzige Messegesellschaft, die traditionell eine eigene Werbefigur hat", sagt Messesprecher Thomas Tenzler. Auf vielfachen Wunsch von Bevölkerung und Ausstellern habe sich das Unternehmen entschlossen, das Maskottchen wieder zu verwenden. "Es soll für unsere Publikumsmessen werben und als Identifikationsfigur die Nähe zwischen Messe und Bevölkerung zeigen."

Neue Rolle als Räuchermann
Wie freudig die auf das Männchen reagiert, lässt sich besonders gut bei einer Begegnung mit dem Riesen-Maskottchen ablesen. Die 1,50 Meter große originalgetreue Nachgestaltung der Figur ist im September 2003 den Leipzigern von der Treuhand Liegenschaftsgesellschaft dauerhaft zur Verfügung gestellt worden.
Und mit der anstehenden Vorweihnachtszeit kommen neue Aufgaben auf das Maskottchen zu: als Räuchermännchen. Die Kunstgewerbe-Werkstätten Olbernhau aus dem Erzgebirge haben bei der Geschenke-Fachmesse "Cadeaux" im September "rauchende" Exemplare aus einheimischen Buchenholz gefertigt. Die Auflage ist auf 2004 Stück limitiert. Die rechtliche Grundlage für eine derartige Vermarktung seines Geschöpfs hat "Papa" Behrendt selbst geschaffen, indem er die Rechte für die Figur der Messe übertragen hat. Seine Gefühle für das Messemännchen bleiben davon jedoch unberührt. "Es ist eine väterliche Beziehung."
Informationen im Internet: www.leipziger-messe.de