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| 13:41 Uhr

Freistaat Sachsen
Chinesen lassen Milliarden-Investition in Rothenburg platzen

Hier sollten laut Ankündigung der Chinesen mehr als 1000 Arbeitsplätze entstehen: Der Flugplatz im sächsischen Rothenburg aus der Vogelperspektive, aufgenommen aus einem Ultraleichtflugzeug.
Hier sollten laut Ankündigung der Chinesen mehr als 1000 Arbeitsplätze entstehen: Der Flugplatz im sächsischen Rothenburg aus der Vogelperspektive, aufgenommen aus einem Ultraleichtflugzeug. FOTO: Manuel Wenzko
Rothenburg/Görlitz. Aus der Traum: Das chinesische Unternehmen, das im Mai 2017 angekündigt hatte, im sächsischen Rothenburg 1,13 Milliarden in ein neues Werk für Elektro-Autos zu investieren, hat sich zurückgezogen. Darüber informierte am Dienstag das Landratsamt Görlitz. Damit sind auch die von den Chinesen angekündigten mehr als 1000 Arbeitsplätze hinfällig. Von Frank Hilbert und Christian Taubert

Die Begründung der potenziellen Investoren: Die Größe des in Rothenburg angebotenen Grundstücks für die Ansiedlung von 250 Hektar sei zu klein. Zur Umsetzung des chinesischen Investitionsvorhabens am Standort Rothenburg/O.L. hätten in den vergangenen Monaten intensive Verhandlungen in enger Absprache mit der Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, der sächsischen Staatsregierung sowie dessen Wirtschaftsministerium stattgefunden, betont das Görlitzer Landratsamt. Der Landkreis habe dem geplanten Investitionsvorhaben „sehr positiv“ gegenübergestanden und habe „flexibel auf die Vorstellungen des Investors reagiert, damit passgenaue Lösungen in Bezug auf zügige Planungs- und Genehmigungsverfahren gemeinsam hätten erarbeitet und umgesetzt werden können“.

Für das Vorhaben seien dem Investor im Herbst 2017 rund 250 Hektar in unterschiedlichen Flächenzuschnitten am Flugplatz Rothenburg. sofort zum Kauf angeboten worden. Zusätzlich wurde als Ersatz für die mit Photovoltaik belegten Flächen angeboten, Erweiterungsflächen für einen weiteren Ausbau und für potentielle Zulieferbetriebe zu entwickeln.

Die Kreisverwaltung hatte auf ein zeitnahes Signal für die konkreten Umsetzungspläne der chinesischen Investoren gehofft. Am 13. Dezember 2017 seien dem Investor die zur Verfügung stehenden Flächen ein weiteres Mal in Dresden erläutert worden. Zu einer konkreten Zusage in Bezug auf die Kaufabsichten seitens des chinesischen Unternehmens sei es dann nicht mehr gekommen.

Beim Investor, der Beijing WKW Automotive, handelt es sich um ein seit März 2013 börsennotiertes Unternehmen. Die Forderung der deutschen Verhandlungspartner, die zu gründende Firma Delon Automotive GmbH für weitere konkrete Kaufvertragsverhandlungen in das Handelsregister eintragen zu lassen, sei bis dato nicht erfüllt worden.

Landrat Bernd Lange (CDU) äußert sich bezüglich der Vermarktung der in Rothenburg für Investoren zur Verfügung stehenden Fläche dennoch optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass man gemeinsam mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium eine Lösung finden wird, da die zur Verfügung stehende Gewerbefläche am Flugplatz in Bezug auf die enorme Größe eine Rarität in Deutschland darstellt“.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) äußerte am Dienstag sein bedauern darüber, dass der chinesische Investor von seiner Absicht, in der Lausitz zu investieren, Abstand genommen hat. Diese Ansiedlung wäre eine gute Ergänzung für die Automobilindustrie und die Entwicklung der E-Mobilität im Freistaat Sachsen gewesen. „Wir haben deshalb den Landkreis bei der Vorbereitung und Begleitung des Projektes finanziell unterstützt. Sollte sich der Investor für andere Standorte in Sachsen interessieren, so werden wir ihn auch weiterhin aktiv unterstützen.“

„Diese Absage ist schon ein Paukenschlag in negativer Hinsicht“, erklärt der Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk (SPD) gegenüber der RUNDSCHAU. Er bedauere die Entscheidung der Chinesen und sagt offen: „Ich bin enttäuscht vom Investor.“ Das Land und der Landkreis hätten in den Verhandlungen weitreichende Angebote unterbreitet, was letztlich nicht von Erfolg gekrönt gewesen sei. Dennoch verweist Jurk, der hier seinen Wahlkreis hat, darauf, dass die Autofabrik am Standort Rothenburg eine nachvollziehbare strategische Ausrichtung des Investors aus China offenbart habe. Für die Lausitz wäre das Projekt mehr als ein Mosaikstein für den Strukturwandel der Region nach der Kohle gewesen.