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| 18:48 Uhr

Randale in Chemnitz
Chemnitzer Künstler sind entsetzt

Chemnitz. Mehrere Künstler aus Chemnitz haben sich bestürzt über die Vorgänge in ihrer Stadt geäußert und auf die Verantwortung der Politik verwiesen. „Die Ereignisse in Chemnitz sind für mich Ausdruck dessen, was in Sachsen fehlgeleitet ist. dpa

Die Regierung hat nach Ereignissen wie in Heidenau und Einsiedel versäumt, die
gebotenen Konsequenzen zu ziehen“, erklärte der Regisseur und frühere Chemnitzer Operndirektor Michael Heinicke am Donnerstag.

„Chemnitz ist meine Heimatstadt – es verschlägt mir den Atem, was da passiert“, schrieb die in Chemnitz aufgewachsene Schriftstellerin Kerstin Hensel in einer Erklärung. Mit mehr Polizei sei das alles nicht zu lösen. „Das, was in Chemnitz passiert, ist Spiegel dessen, was an vielen anderen Orten auch passiert. Diese Auseinandersetzungen haben ihren Ursprung ganz weit zurück – in der Kindheit, in der Erziehung zur Aufklärung“, so Hensel.

„Sachsens Vergangenheit zahlt sich aus, das jahrelange Totschweigen von Wahrheiten. Wir haben das Ganze vor drei Jahren hier in
Einsiedel schon einmal mitgemacht, als sich ein ganzes Dorf bewaffnet hat als Protest gegen die Einrichtung von Flüchtlingsunterkünften“, sagt der Maler Michael Morgner.

„Ich bin schockiert, dass die Stadt, die ich als weltoffen und tolerant kennengelernt habe, sich mit solchen Schlagzeilen verbindet“, betonte der in Chemnitz geborene Maler Carsten Nicolai. Man dürfe die Stadt nicht denen überlassen, die Selbstjustiz üben.

„Was da passiert ist, hätte in jeder anderen deutschen Stadt auch passieren können – bundesweit“, befand der Maler Osmar Osten. „Was mir Angst macht, ist der Rückhalt, den die aggressive Grundstimmung in der Bevölkerung hat, diese Selbstverständlichkeit, dass man Leute beschimpfen und jagen kann (...) Wir dürfen uns nicht länger vorteilhaft zurückziehen, wir müssen uns einmischen, auch wenn uns die Situation nicht passt.“