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| 01:04 Uhr

Chemnitz hat seine City wieder

Chemnitz hat seine Ende des Zweiten Weltkrieges im Bombeninferno untergegangene Innenstadt nahezu komplett wieder. Wenn morgen der Glaspalast des Kaufhauses Peek&Cloppenburg öffnet, ist die neue Bebauung des alten Marktes so gut wie abgeschlossen. Von Berthild Dietrich

"2005 soll der Wiederaufbau der City vollständig beendet sein", sagt Baubürgermeisterin Petra Wesseler. Noch wird an einer so genannten Mittelstandsmeile mit kleinen Geschäften und Wohnungen gearbeitet, und auch für eine noch offene Fläche hinter P&C ist ein Investor für ein Büro- und Wohngebäude gefunden.
Am 5. März 1945 war die historische Innenstadt bis auf wenige Häuser zerstört worden. Zu DDR-Zeiten wurde versucht, der 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannten Kommune in Plattenbauweise ein sozialistisches Antlitz zu verleihen. Davon zeugen Wohnblöcke entlang breiter Straßen, geschmückt mit einem monumentalen Karl-Marx-Kopf - dem "Nischel" - wie ihn die Leute hier heute noch nennen. "Die urbanen Räume waren viel zu groß und zu weit. Damit konnte sich kaum ein Chemnitzer identifizieren", sagt Wesseler.
Wer mehrere Jahre nicht in Chemnitz war, wird das Stadtzentrum kaum wiedererkennen. Die Menschen bummeln und flanieren, sitzen in Cafés und genießen ihre alte, neue City. Die Chemnitzer lieben besonders ihren Markt, von früh bis abends kann hier nach Herzenslust geschaut, gekauft oder dem Glockenspiel vom Rathausturm gelauscht werden.
Der Marktplatz wird nun gesäumt vom 1911 erbauten Neuen und dem nach dem Krieg wieder errichteten Alten Rathaus, das aus dem 15. Jahrhundert stammt. Den Gebäuden der Stadtväter gegenüber stehen der von Stararchitekt Helmut Jahn geschaffene gläserne Galeria-Kaufhof, die Shoppingmeile Galerie Roter Turm mit einer Fassade von Hans Kollhoff, einige liebevoll restaurierte Bauten wie das "Siegertsche Haus" mit einer Barockfassade und das einer sanft geschwungenen Welle gleichende Haus von P&C. Dafür zeichnet das Architekturbüro von Christoph Ingenhoven verantwortlich. Mehr als 3500 Quadratmeter Verkaufsfläche gruppieren sich um einen Lichthof, der für eine besonders angenehme Atmosphäre sorgen soll.
"Nach der Wende tat sich anfangs in Chemnitz nicht viel, die Entwicklung ging erst weit nach Leipzig und Dresden los", sagt Oberbürgermeister Peter Seifert (SPD). "Viele meinten, nur in Leipzig oder Dresden würde es vorangehen. Doch jetzt kommt der Chemnitzer und ist unheimlich interessiert daran, was in seiner Stadt passiert."
Mit der allmählich wachsenden Urbanität wächst auch das Selbstbewusstsein der Einwohner der Stadt, meint Seifert. Und die Direktorin des Landesamtes für Archäologie, Judith Oexle, preist den Mut der Stadt zur Modernität: "Chemnitz holt tief Luft und lässt Zukunft zu." (dpa/gb)