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| 03:07 Uhr

Breitbandausbau in Sachsen stockt

Dresden. Probleme mit der Internetversorgung gibt es nicht nur auf dem Land. Schon in Dresden geht das los. Christine Keilholz

Der Stadtteil Striesen ist "DSL-mäßig nicht gut ausgebaut", erklärt Tom Witzschel von der Sektion Ost des Unternehmens Vodafone. Die Bandbreite von Breitband-Internetverbindungen ist in Sachsen noch verbesserungsbedürftig. Zu diesem Schluss kamen Witzschel und andere Versorger gestern bei einer Sachverständigenanhörung im Wirtschaftsausschuss des Landtags in Dresden.

Vodafone versorgt nach eigenen Angaben in Sachsen mit 300 Funkstationen derzeit 1,1 Millionen Haushalte mit dem neuen Internetstandard LTE - also etwa die Hälfte aller Haushalte. Problem dabei: Die Versorger setzen auf LTE, die Politik indes fördert den Ausbau mit Glasfaserkabeln. Zudem schreitet die technische Entwicklung so schnell fort, dass eine neuerliche Aussprache über Sinn und Zweck der Förderung im Ausschuss gestern durchaus an der Zeit war.

Für Unternehmen wie Vodafone und Telekom war dabei klar, dass sie keine Doppelstrukturen wollen, die ihrem Zugpferd LTE Konkurrenz machen auf dem attraktiven Wachstumsmarkt des Mobilfunks. "Wir legen Wert darauf, dass nicht dort, wo wir ausgebaut haben, mit Steuergeldern drüber gebaut wird", betonte Tom Witzschel.

Demgegenüber steht die Sorge der Kommunen, dass die schnelle Verbindung niemals dorthin kommt, wo der Markt weniger attraktiv ist. Nämlich in den ländlichen Raum, wo der Breitbandausbau je Wohneinheit rund 4000 Euro kostet, wie Arne Börnsen, Geschäftsführer der Beratungsfirma AB Consulting vorrechnete. Der Markt allein wird das Problem kaum lösen, sind sich die Fraktionen von SPD, Grünen und Linken einig und legten gleich drei Anträge vor, wie der Breitbandausbau gelingen soll. Frank Mirtschin von der Envia Tel beschwichtigte die Ängste: "Wir müssen die Autobahnen nicht bis ins letzte Gehöft bauen, da gibt es auch Landstraßen und Wege."

Der Landkreistag plädiert für auf einen Ausbaustandard von mindestens 50 Megabit pro Sekunde, um dauerhaft mithalten zu können. Dieser Standard steht indes erst 30 Prozent der Sachsen zur Verfügung - im ländlichen Raum sind es gar erst fünf Prozent. Für Petra Köpping, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, ist diese "digitale Kluft zwischen Stadt und Land" noch immer zu groß. Köpping fordert eine flächendeckende Bedarfsanalyse.

Das sieht auch der Grünen-Abgeordnete Miro Jennerjahn so: "Ich halte es für eine Benachteiligung des ländlichen Raums, wenn Haushalte dort nach einem geförderten Ausbau als versorgt gelten." Die Linke Julia Bonk hält die "Strategie der Marktorientierung beim Netzausbau" für gescheitert: "Außerhalb der Ballungsräume ist Sachsen noch immer bandbreitenmäßig eine weiße Fläche."