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Borna Banana

Post aus Dresden. Wenn die friedliche Revolution eine Frucht wäre, dann welche Frucht? Klar, Banane. Dieses fremdländische Obst, das man in der DDR nicht wirklich kannte, steht für die Verheißungen des wiedervereinigten Deutschlands wie kein anderes. ckz1

Die Banane bringt die Wende schon in ihrer gebogenen Form mit. Sie leuchtet hell wie die Mittagssonne. Als Altkanzler Kohl von blühenden Landschaften sprach, meinte er eigentlich Haine voller Bananenstauden, doch das hat keiner so recht verstanden. Dolle Sachen erzählte man sich über diese Frucht. Dass man sie als Rock tragen könne oder sogar auf dem Kopf. Das allerdings tat im eher spießigen Westdeutschland kein Mensch. Der Ossi wollte es besser machen - und erfand die Banani-Unterhose.

Als Zonen-Gabi endlich ihre erste Banane bekam, kam sie damit auf den Titel des Satiremagazins Titanic, und der Westen hatte was zu lachen. Eine Banane rundherum zu entkleiden und dann genussvoll die Zähne reinzuhauen, dieses unschuldige Vergnügen wird man dort niemals verstehen. Und wenn der Ossi heute gelegentlich auf dem Marktplatz rumpöbelt, dann weil ihm damals keiner gesagt hat, dass Bananen schnell braun und schwarz werden.

Da ist es nur fair, dass Edeka den Ostdeutschen nach 27 Jahren ein bananiges Geschenk macht. In Borna, südlich von Leipzig, eröffnet derzeit die erste CO-neutrale Bananenreiferei Deutschlands. 50 000 Kartons Bananen werden dort pro Woche in einer klimafreudlichen Anlage gereift. Das macht unglaubliche 286 Millionen Bananen pro Jahr.

Die in Mittel- und Südamerika angebauten Bananen landen noch grün per Schiff in Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam oder Antwerpen. In Borna, mitten im mitteldeutschen Braunkohlerevier, bekommen sie dann den gelben Anstrich. Der Osten darf endlich mitschreiben an der Geschichte seiner Lieblingsfrucht. Was sagt Zonen-Gabi dazu: "Supi!"