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Border Collie Nash gibt Kriminalitätsopfern in Sachsen Halt

Border Collie "Nash" steht am 21.03.2014 in Dresden (Sachsen) als erster Therapiehund der Opferhilfsorganisation Weißer Ring Sachsen auf einer Pressekonferenz. Seit einem halben Jahr gibt "Nash" in einem bundesweit einzigartigen Modellprojekt Kriminalitätsopfern im Freistaat Sachsen Beistand.
Border Collie "Nash" steht am 21.03.2014 in Dresden (Sachsen) als erster Therapiehund der Opferhilfsorganisation Weißer Ring Sachsen auf einer Pressekonferenz. Seit einem halben Jahr gibt "Nash" in einem bundesweit einzigartigen Modellprojekt Kriminalitätsopfern im Freistaat Sachsen Beistand. FOTO: Matthias Hiekel (dpa-Zentralbild)
Dresden. Gewaltopfer sind meist schwer traumatisiert. Ihr Zeugenauftritt im Prozess gegen den Täter wird oft zur Qual. Der Weiße Ring Sachsen stärkt ihnen den Rücken auf bisher einmalige Weise. dpa/sn

Tierischer Beistand: Border Collie Nash gibt seit einem halben Jahr Kriminalitätsopfern in Sachsen im Prozess gegen die Täter Halt. „Es ist ein bundesweit einzigartiges Modellprojekt der Opferarbeit“, sagte der Landesvorsitzende des Weißen Rings, Geert Mackenroth, am Freitag in Dresden. Der knapp sechsjährige Rüde einer Leipziger Polizeibeamtin wurde zum Therapiehund und speziell für die Gerichtsbegleitung ausgebildet und hilft traumatisierten Opfern von Gewalt, vor allem Kindern und Jugendlichen, auf ihrem schweren Gang in den Prozess. Der Vierbeiner kann über den Weißen Ring Sachsen angefordert werden. Sein Einsatz muss aber beantragt und vom Richter zugelassen werden, da Tiere im Gericht eigentlich verboten sind.

„Er gibt Vertrauen in schwerer Zeit, kuschelt sich an und tröstet“, sagte Mackenroth. Die Betroffenen lernen Nash lange vor dem Einsatz kennen, um ein Verhältnis aufzubauen, sagte Besitzerin Kerstin Kuntzsch. Das gehe aber schnell, da der Border Collie sehr empathisch sei - wie seine Premiere zeigte. Der Vierbeiner mit schwarzem Fell an Rücken und Beinen sowie weißem Fell am Bauch und über der Nase führte mit Erfolg eine als Kind sexuell missbrauchte und traumatisierte Frau durch einen Prozess im Sozialgericht. „Er setzte sich ganz eng an ihre Seite, hielt Körperkontakt und legte seinen Kopf auf ihren Schoß“, berichtete die ehrenamtlich engagierte Polizistin. „Er hat ein feines Gespür für Menschen, denen es nicht gut geht.“

2013 betreuten die Mitarbeiter des Weißen Rings in Sachsen 268 Kriminalitätsopfer. 93 von ihnen erlitten Körperverletzungen, weitere waren Opfer von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung, Raub, Bedrohung oder Betrug. Die Zahl der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch lag bei 61 und ist laut Mackenroth „absolut erschreckend“. Seit Inkrafttreten des Stalking-Paragrafen im Jahr 2007 ist zudem die Zahl der Stalking-Opfer im Freistaat gewachsen. Im vergangenen Jahr betreute der Verein 22 Betroffene, meist Frauen. Neben häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch gehört Stalking den Angaben zufolge zu den häufigsten Fällen.