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Bockige Koalitionäre und zerstrittene CDU-Minister

Dresden. Viel Zeit bleibt Sachsens Christ- und Sozialdemokraten nicht mehr. In zwei Wochen will der Landtag den Doppelhaushalt für das nächste und übernächste Jahr verhandeln. Doch harte Brocken liegen der Regierungskoalition immer noch im Weg. Der härteste: die Schulen. Christine Keilholz / ckz1

Schulchaos in Sachsen: Gescheitert sind die Verhandlungen zur Lehrerbezahlung. Gescheitert sind auch die Verhandlungen um ein Bildungspaket, das die CDU als Angebot vorgelegt hat.

Lehrer-Gewerkschaft taktiert

Fast resignierte Töne sind deshalb von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu hören. In einem am Wochenende beschlossenen Positionspapier erklärt sich die Gewerkschaft auch weiterhin "ausdrücklich bereit", an der Lösung der Probleme mitzuarbeiten: "Zu unserem Appell, unseren zahlreichen Vorschlägen, Anregungen und Kompromissangeboten bleiben wir gesprächsbereit." Dennoch will die GEW keine Maßnahmen akzeptieren, die die Lernbedingungen der Schüler und die Arbeitsbedingungen der Lehrer verschlechtern. Gegen Ungerechtigkeiten "gegenüber anderen Bundesländern, für bestimmte Schülergruppen, Lehrer, Schularten oder Schulstandorte" werde man sich wehren.

Konkrete Forderungen haben die Bildungspolitikerinnen von Linken und Grünen, Cornelia Falken und Petra Zais, in einem offenen Brief an das sächsische Kabinett formuliert. Der Lehrerberuf, heißt es dort, müsse an Grundschulen und Mittelschulen dringend aufgewertet werden. Die Entlohnung müsse deutlich verbessert werden, von derzeit Entgeltgruppe elf sollten Grundschullehrer auf zwölf höhergruppiert werden, Mittelschullehrer auf 13.

Verbesserungen fordern Linke und Grüne auch beim Arbeitsaufwand. Die Pflichtstunden der Lehrer will die Opposition von derzeit 28 an den Grundschulen auf 26 reduzieren - an Mittelschulen von 26 auf 25. Ältere Lehrkräfte müssten Zulagen bekommen sowie drei Ermäßigungsstunden ab dem 63. Lebensjahr. Die Forderungen decken sich in etwa mit denen der Verbände. Falken und Zais fordern die mitregierende SPD zudem auf, "ihre Mindestforderungen in der Bildungspolitik aus der Zeit, in der sie die Oppositionsbänke drückten", nicht aufzugeben. Doch die SPD hat im Kabinett nur drei von elf Stimmen.

Der Ball liegt ohnehin im Feld der sächsischen Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU), die jede noch so kleine Verbesserung ihrem Parteikollegen und Finanzminister Georg Unland hart abringen muss. Auch um neuerliche Lehrerstreiks abzuwenden, die bei der aktuellen Personalsituation an den Schulen zum Kollaps führen können.

Mehraufwand für Stammkräfte

Sachsen ist zwar Anfang August mit einem Einstellungsrekord ins neue Schuljahr gestartet - 1150 Vollzeit-Lehrer gingen in den Dienst. Von denen sind aber fast die Hälfte Quereinsteiger aus anderen Berufen. Die hochumstrittene Maßnahme verunsichert nicht nur Eltern, sie beschert den Stamm-Lehrern erheblichen Mehraufwand. Denn die müssen die Neuen anleiten und begleiten. Was bislang nicht nach einheitlichen Standards funktionierte. Die Opposition fordert ein halbes Jahr verbindliche Schulung, bevor die Quereinsteiger vor die Klasse kommen.

Zumal die Schülerzahlen weiter steigen. 400 000 lernen im aktuellen Schuljahr an den 1353 öffentlichen Schulen Sachsens. Das sind 10 000 mehr als im vergangenen Jahr.