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Blutig, tot und sexy

Post aus Dresden. Pfingsten kommt der Heilige Geist über die Jünger des Herrn, was immer das heißt. In Leipzig hingegen sieht es jedes Jahr an Pfingsten aus wie Apokalypse, jetzt aber wirklich. ckz1

Blasse, blutarme Figuren reiten im Regionalzug ein. Dann werfen sie sich auf der Wiese in schwarze Netzklamotten und spuken - huhu! - am hellen Tage durch die ganze Stadt.

Das "Wave Gotik Treffen" ist, ja was eigentlich? Egal, es ist immer Pfingsten in Leipzig und lässt sich höchstens modisch erklären. Er kommt mit Zylinder, Samtfrack und Rüschenhemd. Sie trägt zum schwarz gefärbten Brautkleid lila Lippenstift und ein Federding im Haar. Und weil sie sich so mögen, sind sie durch eine Eisenkette aus dem Baumarkt verbunden.

Früher dachte man, dass die schwarzen Gestalten Blut trinken und Jungfrauen opfern und in Särgen schlafen. Doch die sowieso hohen Kriminalzahlen in Leipzig stiegen Pfingsten nicht merklich an. Blut kam nicht abhanden. Und was die Särge betrifft, gibt es keine Verordnung, die einem das Schlafen darin verbietet. Inzwischen sorgt das Festival für weniger Aufregung in der Stadt als der Kirchentag.

Es stellte sich nämlich heraus, die Gothics gehen bei McDonald's essen und sich, wie ganz normale Menschen, bei Lidl noch schnell eine Brause und eine Tüte Toastbrot holen. Dann hocken sie sich auf die Wiese und lauschen den Klängen von "Bloody, Dead & Sexy", von "Finsterforst" und den "Hexperos" und sie schunkeln mit dem Männerchor Leipzig Nord. Was hingegen die Jünger des Herrn bei ihren Zusammenkünften so alles treiben, da kursieren noch immer wildeste Gerüchte.