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Bikertreffen, Wandern und Bäderkultur

Sessellifte sind auf jeden Fall begehrt – bei Skifahrern wie Mountainbikern.
Sessellifte sind auf jeden Fall begehrt – bei Skifahrern wie Mountainbikern. FOTO: dpa
Plauen. Mountainbiking, Monsterroller, Wandern und Wellness – Sachsens Wintersportorte können sich auf genügend Schnee im Winter nicht mehr verlassen und suchen zunehmend nach Alternativen. dpa/uf

Angesichts des Klimawandels und steigender Temperaturen stellen immer mehr Wintersportorte in den sächsischen Mittelgebirgen ihr Angebot auf Attraktionen um, die auch mit wenig oder gar keinem Schnee auskommen. "Zwischenzeitlich dürfte beim Gast angekommen sein, dass der Winter in unserer Region unzuverlässig geworden ist", sagt Dieter Heymann, Geschäftsführer des Regionalverbandes Chemnitz beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. "Wir wissen schon lange, dass in den drei Wintermonaten nicht mehr das Jahresgeschäft zu machen ist und suchen saisonübergreifende Angebote." Dazu brauche es aber keinen Aktionismus, sondern einen schrittweisen Ausbau.

Wie im vogtländischen Schöneck: Dort verwandelt sich ab Mai die Skiwelt in eine Bikewelt: Selbst der Sessellift, eigentlich für Wintersportler gedacht, dreht sich im Sommer für die Mountainbiker - mit einer speziellen Rad-Halterung an der Seite.

Für den Ausbau investierte die Stadt mit Fördermitteln 900 000 Euro: Vier steile, kurvige Abfahrten durch den Wald, sogenannte Downhill-Strecken, führen ins Tal. Dazu kommt ein Übungsparcours mit Hügeln und ein Wegenetz bis Tschechien. "Der Ort lebt vom Tourismus, wir sind immer auf der Suche nach neuen Angeboten", sagt Bürgermeisterin Isa Suplie. Schöneck sei ein Ganzjahresurlaubsort. "Demzufolge gilt es, Entwicklungen für alle Jahreszeiten voranzubringen." Die Statistik der letzten Jahre zeige in den Wintermonaten leicht rückläufige Übernachtungszahlen, besonders in der schlechten Saison 2013/14, weiß Veronika Hiebl, Geschäftsführerin vom Tourismusverband Erzgebirge. Damals gab es im Januar 205 000 Übernachtungen - in diesem Jahr waren es wieder rund 218 000.

"Bleibt der Schnee weg, haben wir weniger Gäste." Wie man die Abhängigkeit vom Winter überwinde - dafür sei das schlechte Jahr 2014 ein Musterbeispiel. "Den Start im zweistelligen Minus konnten wir über den Sommer fast ausgleichen."

Mitgeholfen hat dabei auch hier das Mountainbiking: Besonders beliebt sei die "Stoneman-Miriquidi"-Strecke, die neun Gipfel auf deutscher und tschechischer Seite verbinde. Hotels und Gastätten am Weg seien in diesem Jahr tageweise ausgebucht, sagt Hiebl. Die Kammlagen des Erzgebirges würden sich zur Radregion entwickeln, das zeige auch die Route "Sächsische Mittelgebirge", die über 600 Kilometer durch die Sächsische Schweiz, das Erzgebirge und Tschechien geht.

Mit einem Funsport-Erlebnis im Sommer wartet Oberwiesenthal auf: "Erst geht es mit der Schwebebahn hinauf auf den Fichtelberg und dann mit dem Monsterroller wieder herunter", sagt Hiebl. Für das Gefährt mit den dicken Reifen stünden ausgebaute Wege bereit. Außerdem solle das Winterwandern als Angebot neu aufgelegt werden. "Das geht mit wenig Schnee - und eigentlich auch ohne."

Auf "Bäderkultur" setzt Andreas Kraus, Geschäftsführer des Tourismusverbands Vogtland. In ein paar Monaten eröffnet in Bad Elster ein Thermalsolebad mit Saunawelt. Für rund 15 Millionen Euro entstehen unterschiedliche Solebecken, ein großer Salzsee und Saunen nach Themenbereichen. Außerdem werde das Zeulenrodaer Meer, eine ehemalige Trinkwassertalsperre, "zu einem touristischen Höhepunkt" entwickelt. Der Sächsischen Schweiz würde der Klimawandel sogar ein wenig in die Hände spielen, meint Tino Richter, Geschäftsführer vom regionalen Tourismusverband. "Eine Wintersportregion sind wir ohnehin nicht. Unser Hauptangebot umfasst Wandern, Klettern und Radfahren. Auch für unser Kulturangebot mit Burgen und Schlössern brauchen wir keinen Schnee." Doch auch hier werde versucht, die Region etwa mit Wellnessangeboten auch im Winter für Touristen attraktiver zu machen.

Der Klimawandel setzte sich in jedem Fall fort, sagt Ursel Behrens vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam. "Das ist nicht nur mit kontinuierlicher Erwärmung verbunden, es kann durchaus schneereiche und kalte Winter weiterhin geben. Die Wetterextreme werden intensiver und häufiger als bisher in Erscheinung treten."

Eine klare Linie bei den Schneemengen der letzten Jahre sei nicht zu erkennen. Nur eins sei klar: "Langfristig steigen die Temperaturen."