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| 14:41 Uhr

Mit 2,49 Promille
Betrunkener Lokführer rauscht mit ICE durch Berlin und Brandenburg

 Bahnreisende, die in Wittenberg nicht aussteigen konnten, weil der Zug durchbrauste,  mussten mit der S-Bahn zurückfahren.
Bahnreisende, die in Wittenberg nicht aussteigen konnten, weil der Zug durchbrauste, mussten mit der S-Bahn zurückfahren. FOTO: dpa / Jan Woitas
Wittenberg. Am Dienstagabend ist der ICE 993, der auf dem Weg von Hamburg über Berlin nach Leipzig gewesen ist, einfach an Wittenberg (Sachsen-Anhalt) vorbeigefahren. Polizisten, die im Zug saßen, holten den Fahrer schließlich raus. Ein Atemalkoholtest ergab 2,49 Promille.

Im Fall eines betrunkenen ICE-Lokführers in Sachsen-Anhalt fordert der Fahrgastverband Pro Bahn harte Konsequenzen für den Betroffenen. „Wer so erwischt wird, ist die längste Zeit seines Lebens Lokführer gewesen“, sagte der Sprecher und Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. So etwas dürfe nicht vorkommen.

Der Vorfall ereignete sich am Dienstagabend im ICE 993 von Hamburg nach Leipzig. Der Lokführer sei in Bitterfeld abgelöst worden, teilte die Deutsche Bahn auf Anfrage mit. „Die genauen Umstände werden derzeit gründlich untersucht.“ Mit knapp 2,5 Promille war der betrunke Lokführer an Wittenberg (Sachsen-Anhalt) vorbeigerauscht. Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, sollte der Zug eigentlich um 22.10 Uhr in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) halten.

Der Zugchef habe dann Bundespolizisten angesprochen, die in dem ICE, der auch über Berlin fährt, saßen. In Bitterfeld sei der Lokführer wenig später herausgeholt worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei Pirna am Mittwoch.

Für Lokführer gilt eine Null-Promille-Grenze. Verstöße dagegen würden nach einem strengen Regelwerk geahndet. Nach Angaben der Bahn wurde der Triebfahrzeugschein des Lokführers eingezogen und dem Eisenbahnbundesamt übergeben. Der Mann werde bis auf Weiteres nicht mehr eingesetzt, sagte ein Sprecher in Leipzig. „Der Vorfall wird Konsequenzen haben.“

Über strafrechtliche und arbeitsrechtliche Folgen könne aber erst nach Abschluss der Ermittlungen durch die Bundespolizei entschieden werden. „Jeder Lokführer weiß seit seiner Einstellung, dass Alkohol im Dienst gar nicht geht“, sagte der Sprecher.

Ein Lokführer, dessen Triebfahrzeugschein eingezogen wurde, muss verschiedene medizinische und psychologische Untersuchungen durchlaufen und belegen, dass kein krankheitsbedingter Alkoholmissbrauch vorliegt und eine Wiederholungsgefahr ausgeschlossen ist. Zudem muss das Eisenbahnbundesamt der Rückgabe des Führerscheins zustimmen.

Ständige Kontrollen der Lokführer seien laut Bahn keine Lösung. Das Unternehmen vertraue darauf, dass sich die Beschäftigten an das Regelwerk hielten, sagte der Bahn-Sprecher. Auch Naumann von Pro Bahn hält Kontrollen nicht für zielführend. Es gebe bereits viele Sicherheitseinrichtungen. Zudem seien Fälle von betrunkenen Lokführern sehr selten. Dass Lokführer versehentlich an einem Bahnhof vorbeifahren, kommt hingegen auch so immer mal wieder vor.

Am 4. Januar 2017 war schon einmal ein ICE an Wittenberg vorbei gefahren, ohne zu halten. Der Lokführer bemerkte sein Missgeschick jedoch, stoppte den Zug und konnte in den Bahnhof zurückfahren. Einen ähnlichen Fall hatte es damals kurz zuvor in Bitterfeld gegeben. Mehrfach sind Züge schon an Wolfsburg vorbeigerauscht, auch Göttingen und Uelzen (Niedersachsen) waren schon betroffen.

Der ICE 933 erreichte sein sein Ziel Leipzig schließlich mit 65-minütiger Verspätung. Als offiziellen Grund gab die Bahn „Verzögerung im Betriebsablauf“ an. Die Reisenden, die nach Wittenberg wollten, seien mit der S-Bahn zurückgefahren, sagte ein Bahn-Sprecher.

(dpa/uf)