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Bente Kahan stellt neues Programm in Görlitz erstmals vor

Bente Kahan war schon 2016 zu Gast im Schlesischen Museum.
Bente Kahan war schon 2016 zu Gast im Schlesischen Museum. FOTO: Lukasz Giza
Görlitz. 2016 – beim Fest zum 10. Geburtstag des Schlesischen Museums in Görlitz (SMG) – erzählte die norwegisch-jüdische Sängerin Bente Kahan mit ihrem Programm "Home" in Liedern ihre Familiengeschichte. uf

Dieses Jahr wird sie ihr neues Konzertprogramm am Sonntag, 18. Juni, in der Oberlausitzer Stadt uraufführen. Es hat den Titel "Wie ist die Welt so stille", heißt es in einer Mitteilung des SMG, das zu diesem Konzert gemeinsam mit der Kulturreferentin für Schlesien und dem Förderverein Görlitzer Synagoge einlädt.

Die Künstlerin aus Breslau vertonte für ihr Programm Texte und Gedichte der jüdischen Schriftstellerin Ilse Weber (1903-1944). Die für Gitarre und Kontrabass arrangierten Lieder präsentiert sie mit Adam Skrzypek, dem musikalischen Direktor des Musiktheaters Capitol in Breslau. Bei der Uraufführung wird auch Hanus Weber, ein Sohn Ilse Webers, zu Gast sein, kündigte das Museum an.

Ilse Weber kam in Witkowitz bei Ostrau (heute Ostrawa in Tschechien) zur Welt. Als Kinderbuch- und Rundfunkautorin hatte sie sich einen Namen gemacht, bevor sie Opfer der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten wurde. 1942 wurde sie ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie bis 1944 rund 60 Gedichte schrieb. Mit ihrem jüngsten Sohn wurde sie in Auschwitz umgebracht. Ihr Mann überlebte und konnte ihre Gedichte retten. Wie das SMG weiter berichtet, sind einige der jetzt vertonten Texte erst jüngst im Nachlass der Autorin in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel entdeckt worden.

Bente Kahan lebt seit 2001 in Breslau. Sie gründete die nach ihr benannte Bente-Kahan-Stiftung. Mit großem Engagement setzte sie sich dafür ein, die Synagoge zum Weißen Storch wieder zum Leben zu erwecken. Umfassend restauriert öffnete diese 2010 ihre Pforten und ist Heimstatt für ein "Zentrum für Jüdische Kultur und Bildung".

Konzerttermin: 18. Juni, 19 Uhr, Synagoge, Otto-Müller-Straße; Eintritt: 15 Euro, ermäßigt zehn Euro; Kontakt: SMG, +49 3581 8791-0, kontakt@schlesisches-museum.de

Ausstellungstipp: Noch bis zum 9. Juli ist im SMG die Sonderschau "Verfolgte Kunst - Der jüdische Künstler Heinrich Tischler und sein Breslauer Kreis" zu sehen.