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Benedictus Locus

Auch Politiker sind nur Menschen und als solche stets bemüht, ein gottgefälliges Leben zu führen. In den ersten Tagen des Jahres hat Gott deshalb besonders viel zu tun. ckz1

Gerade erst ist Weihnachten rum, jetzt läuft die Segnungs-Saison. Gott ist eben auch Dienstleister und wird gerade im bürgerlich-konservativen Lager oft gebucht. Den Anfang machte Gott gleich am 3. Januar in der Landesgeschäftsstelle der CDU. Dort ist der Segen zum Jahresbeginn eine schöne Tradition. Dann ging es weiter in den Landtag, wo etliche Büros auf der Segensliste standen.

Es lohnt sich ein Blick auf das, was da gesegnet wird. Abgeordnetenbüros sind triste Höhlen. Raufasertapete, Teppichboden, ein Schreibtisch, ein olles Jugendzimmerregal vom Sohn, ein klappriger Sessel für die Kundschaft, das war's. Der Homo politicus soll sich hier nicht wohlfühlen, er soll schnellstens wieder raus in den Wahlkreis. Die meisten dieser Büros brauchen dringend eine ordnende Hand.

Ob nun ausgerechnet Gott da der Richtige ist, da hegt die Opposition Zweifel. Dort sitzen hauptsächlich jene, die es mit Gott nicht so haben. Die wollen nicht gern erwischt werden, wie sie in einer ruhigen Ecke mit Gott reden, denn das käme in ihren Kreisen nicht so gut an. Man würde dann für plemplem gehalten und sofort aus allen E-Mail-Verteilern geschmissen und keiner würde mehr mit einem Kaffee trinken wollen. Es gibt auch die, die Gott für eine historisch überholte und folglich existenziell zu überwindende Institution halten, wie den Verfassungsschutz zum Beispiel.

Aber diese Gott-Skeptiker bilden artig eine Gasse, wenn beim Neujahrsempfang die Sternsinger einmarschieren. Clevererweise schickt Gott nämlich Kinder los, die Lieder singen, wenn sie einem den Sammelkorb hinhalten. Gott weiß halt, wie er die Menschen packen muss.