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Bei dösenden Bären

Post aus Dresden. Torgau in Nordsachsen ist eine von diesen Städten, über die es so gar nichts zu sagen gibt. Torgau hat hübsche alte Häuser, klar. ckz1

Die Elbe fließt lieber dran vorbei als durch. Torgau ist eine Stadt mit 5000 Feuerstellen und 20 000 wackeren Torgauern. Sachsens Fürsten bauten hier ein Schloss mit allem Drum und Dran. Als es fertig war, zogen sie nach Dresden. Immer noch wird behauptet, in Torgau wären sich 1945 Russen und Amerikaner in die Arme gefallen und hätten dann getanzt und gesoffen. War aber gar nicht in Torgau, war in Strehla, Stückchen die Elbe hoch. Wieder was verpasst.

Menschen kommen nach Torgau, um die Bären zu sehen. Die wohnen im Schlossgraben und bewachen den Landrat. Sie tun ihren Job mit dem Eifer, der im öffentlichen Dienst einer kleinen Stadt halt üblich ist. Sie dösen meist, manchmal dreht sich einer auf den Rücken und kratzt den Bauch. Oder einer legt sich auf einen Baumstamm und rudert. So macht man das in Torgau. Wenn es einem zu bunt wird, dann rudert man los und bald schon ist man in Hamburg.

In Torgau ist nie was los. Gut, Luther war ein paarmal da, aber der war doch überall. Drum gibt es aus Torgau nichts zu berichten. Höchstens das: Die Stadtverwaltung sucht einen Pächter für die öffentliche Toilette unten im Rathaus. Die Toilette wurde drei Jahre lang komplett saniert, steht in der Anzeige. Ein Bild steht dabei, zu sehen ist eine Tür mit einem Schild drüber: Männlein, Weiblein, Rollstuhl. Pachtzins null Euro, städtischer Zuschuss von monatlich 400 Euro, das dürfte die Sache doch interessant machen. Die Verbrauchskosten für Toilettenpapier, Seife, Reinigungsmittel "und Ähnliches" trägt der Pächter. Mit den Bewerbern werden Bewerbungsgespräche geführt, in deren Ergebnis der überzeugendste Bewerber ausgewählt wird. Aber Achtung: Torgau zu überzeugen, wird nicht leicht.